Thursday the 24th of July: Welcome back at home, Lisa!

24Aug2014

In Leipzig wechselte ich in den RE und langsam kam mir das Landbild bekannt und vertraut vor. Die Aufregung steigerte sich ins Unermessliche und die Zeit wollte nicht vergehen. Aller einer halben Minute schaute ich auf die Uhr und fragte mich, ob sich bereits meine Familie auf den Weg machte. Es war unglaublich, denn es fühle sich in mir so an als wäre es nicht nur meine eigene, sondern auch die Aufregung meiner Familie die ich in mir spüren konnte und die von Minute zu Minute noch schlimmer wurde. Da war meine Mutter, die extra nach Dresden geflogen kam, um mich zu Empfangen, Anne meine Schwester würde alles organisiert haben, um alles perfekt zu machen und Fahri würde ich wie immer sein breites Lächeln tragen. Zum ersten Mal würde ich auch meiner Nichte begegnen, die ich bisher nur von Fotos kannte. Wie wird sie wohl aussehen? Wird sie schon sehr groß sein? Ich konnte mir kaum all ihre Gesichter vorstellen, geschweige denn mein Eigenes, wenn ich sie nach so langer Zeit endlich wieder in die Arme schließen konnte. Da waren so viele Dinge, auf die ich mich freute, so viele Sachen, die ich besser machen wollte und so viel, dass ich zeigen und erzählen wollte. Wie sah e wohl zu Hause aus? Wie wird der Alltag mit der Kleinen sein? Und auf einmal konnte ich es kaum noch erwarten wieder Teil dieser Welt zu werden.
Noch immer eine halbe Stunde Fahrt und der Zug tuckerte durch Weinböhla hindurch. Jetzt wurde es richtig schlimm und ich konnte nicht mehr sitzen. Der Zug war voll, aber ich musste mir die Beine vertreten, ging aufs Klo, trank einen Schluck, überflog die Bahnbroschüre, und dann ein Blick auf die Uhr. Noch 29 Minuten. Mit jedem sich nähernden Kilometer stieg die Nervosität und dann endlich rollten wir in den Dresdner Hauptbahnhof ein. Erst jetzt realisierte ich, dass ich ja ganz hinten im Zug war und es ewig dauern würde mich vorgekämpft zu haben. Werden sie so lange warten? …Sie werden.
Ich drängelte mich vor zur Tür, dann endlich ging sie auf und die Massen füllten den Bahnsteig. Ich konnte nichts sehen. Waren sie da? Ich rannte den Steig vor mit meiner Krakse auf dem Rücken und rannte und rannte und schlug Kurven um die Leute und dann. Dann sah ich es. Das riesige Schild hochgehalten von meiner Schwester. „Welcome back Lisa“ stand darauf und mir stiegen die Tränen in die Augen. Dann sah ich auch alle anderen, nicht nur meine Familie hatte mich abgeholt, sogar Freunde von mir sind gekommen. Ich viel meiner Schwester in die Arme und konnte es kaum glauben hier zu sein. Auch meine beste Freundin hatte ein riesiges Plakat gebastelt und ich fühlte mich wie im Film. Ich war nicht mächtig zu sprechen und konnte mich kaum durchringen in welcher Reihenfolge ich alle in die Arme fallen sollte, es war so schön! Nach einer Weile konnte ich wieder durchatmen und bedankte mich für die unglaublich tolle Überraschung und begrüßte auch endlich meine süße Nichte, die zum Glück viel kleiner war, als ich vermutete. Mit meinen Freunden verabredete ich mich für später und dann gings erst einmal nach Hause mit meiner Familie und Franzi meiner Freundin. Anne hatte natürlich gekocht, es gab mein Lieblingsessen Palak Paneer und zum Dessert mein Lieblingskuchen Banoffee Pie. Was für eine Mühe sie sich gaben! Und dann, mein Zimmer, mit MEINEM großen Bett. Es tat so gut alle wiederzusehen und ich war traurig als sich meine Mutter für diesen Abend wieder verabschiedete, meine Freundin gehen musste und auch Anne und Fahri langsam müde wurden.
Und dann legte ich mich in mein großes Bett, dass ich nur zur Hälfte nutzte. „Ich war zu Hause“ dachte ich mir und mummelte mich ein meine Decken ein. Übermüdet sah ich mich noch ein letztes Mal um, aus dem Fenster, dann schließ ich die Augen. Meine Zeit hier würde nicht langweilig werden, in einer Woche würde es mit Freunden nach Amsterdam gehen, dann würde ich direkt Freunde in London besuchen und im Anschluss direkt in die Schweiz zum Arbeiten gehen und meine Mutter besuchen.
Behaglich dachte ich an die bevorstehende Zeit, dann sah ich noch einmal auf mein Handy, ob Alex mir geschrieben hatte. Unser Foto ließ mich etwas traurig werden, doch ich war mir sicher er war der Richtige und dass ich ihn eines Tages, irgendwo auf der Welt wieder sehen würde. Würde ich in der Uni genommen werden? Wie geht es jetzt weiter? Und, werde ich Alex wirklich irgendwann wiedersehen? Was würde mir die Zukunft bringen? Werde ich es schaffen allen meiner Vorsätzte gerecht zu werden und meine positive australische Art beizubehalten?
Und dann, schlief ich ein, die erste Nacht im neuen Abschnitt meines mir noch so unklaren Lebens…

 

 

 

 

J Das war es „Lisa`s große Reise“ ist jetzt vorbei. Vielen Dank fürs Lesen

Wednesday, the 23rd of July: big reunion

24Aug2014

In der Flughafentoilette verriet mir mein Spiegelbild, dass ich genau so aussah wie ich mich gerade fühlte, beschissen! Dennoch wollte ich mich zwingen mich ein paar Sekunden abzulenken, auch stieg die Aufregung unwahrscheinlich. Würde genau in diesem Moment da draußen schon Amelie, meine Reisepartnerin, die schon vor 2 Monaten zurück nach Deutschland kam, auf mich warten, dort stehen und das Gleiche denken wie ich? Es war ein komisches Gefühl zu wissen, sie gleich wiedersehen zu werden und das vor allem noch vor meiner Familie, die ich erst morgen wieder in die Arme schließen würde. Mein Gepäck , meine Krakse, ließ nicht alt so lang auf mich warten, ich setzte sie auf, klippste sie am Bund zu, atmete tief durch und begab mich in Richtung Ausgang.
Dann um die Ecke und ein kurzer Blick, da stand sie. „ahahahaha“ machten wir beide in einem viel zu krellen und einer zu hohen Tonlage und lagen uns in den Armen, sprangen auf und ab und küssten uns. Was für ein Wiedersehen! Vor allem, da wir uns nur 2 Monate nicht sahen und unsere Begrüßung dennoch die Herzlichste am ganzen Flughafen war, obwohl ich ebenfalls viele Backpacker im Flieger hatte. Alle sahen auf uns!
Wir hatten uns viel zu erzählen und es war schwer die jeweils andere ihren Satz beenden zu lassen und ich freute mich so ihr positives Wesen wieder um mich herum zu haben, es halt mir etwas. Im Auto liefen dann alle unsere Australien-Lieder und wir konnten uns nicht entscheiden mitzusingen, oder so laut zu brüllen, um uns etwas zu erzählen. Bei ihr zu Hause angekommen, durfte ich erst einmal Duschen. Das tat unheimlich gut! Danach machte ich mich fertig und sie fuhr mit mir zu einem hohe gelegenen Park von dem man eine Aussicht auf ganz Marburg hatte.
Im Anschluss gings durch die süße Stadt, wo wir ihre beste Freundin trafen. Es war so merkwürdig wieder hier zu sein. Alles sah so deutsch aus! Die Bäume, die Straßen, die Häuser, die angespannten Gesichter der unfreundlichen Leute. Doch die Sonne strahlte und versüßte mir den Tag. Doch das was mir am Meisten auffiel, war dass es so deutsch roch! Ja, roch! Der aufsteigende Teergeruch der Straße, durch die Sonne, die Abgase des Mofas, welches gerade vorbei fuhr, die Bäume im Park, die Frische der nächsten Brise, und die Straßen nach Essen. Ich war überwältigt. Und dann mussten wir uns auch wieder zu Hause für den Abend fertig machen. Es war großes geplant. Extra zu meiner Ankunft würde Calle, der Freund von Amelies Nicki, die wir schon so oft in Oz getroffen hatten, 250 km fahren, um heute Abend mit uns anzustoßen. Dann kamen die Jungs auch schon und das Wiedersehen war klasse! Das erste Bier wurde auf dem Balkon geköpft und ich konnte kaum glauben wie lange es hell blieb, so vertan wir uns etwas in der Zeit. Es gab viel zu beredet.
Mit ein paar Leuten gings dann abends in die Stadtkneipe auf ein paar Bier und es tat gut Amelie, Nicki und Calle wiederzusehen und auch Amelies Freunde, die ich nun mal kennen lernte waren nett. Insgesamt, ging der Abend bis 4am und es drehte mich. Aber nicht wegen der 4 Bier die ich hatte, nein, weil ich bereits 3 Tage wach war und mich schrecklich fühlte. Endlich im Bett bei Amelie liegend begann es schon wieder zu dämmern und ich konnte nicht einschlafen, da es nach meiner Zeit schon wieder Mittag wäre. Ich war so müde und schaffte es dann endlich doch 4h zu schlafen, als ich 9am einfach nicht anders konnte, und alle aufweckte. Gegen 13.00 würde bereits mein Zug nach DD wieder gehen und ich wollte das Beste aus dem Tag mit Amelie machen. Ich verabschiedete mich von der ganzen Truppe, die die Nacht auch hier geschlafen hatte und bei Calle, der heute auch schon wieder fahren würde.
Dann gings mit Amelie zum Brunchen, eh es in 2h zum Bahnhof gehen würde. WAS!? Brunch für 6€!!! Ich konnte nur lachen, an solche Preise war ich nicht mehr gewöhnt, und genoss seit einem knappen Jahr den Geschmack von Brot.
Amelie begleitete mich zum Bahnhof und dann stand da auch schon mein Zug. Wir umarmten uns fest, sie versprach mir mich bald in DD besuchen zu kommen und eh ich wieder in Tränen ausbrach, gab ich ihr noch einen letzten Kuss und stieg ein. Weitere 6h noch, eh ich meine Familie wiedersehen würde. Es war komisch hier zu sitzen, all die Leute die so ein Gesicht zogen.
Würde mich wohl jemand, so wie es in Aus üblich war, ansprechen und mich nach meinem Gepäck oder meinem englischen Buch fragen? Nein, alle sahen weg und es interessierte keinen. Während alle einen normalen Tag hatten kam ich gerade von einem anderen Kontinent wieder, auf dem ich ein Jahr lang lebte. Es war ein so seltsames Gefühl. Der ICE setzte sich in Bewegung und der unfreundliche Kartenkontrolleur fragte mich nach meinem Ticket. „Könnte ich bitte IHR Ticket sehen!“ Sagte er und bei der übertriebenen deutschen Höflichkeitsform konnte ich nur den Kopf schütteln und fühlte mich fremd und traurig. Ich sah aus dem Fenster, dass mir verriet, dass das Wetter schlechter wurde. Wie genau am Tag meiner Abreise begann es zu regnen und auf den Feldern mit ihren Strommasten rieselte es hinunter. Ich gehörte hier nicht hin!

19th till 21st of July: my last days in Down Unde

24Aug2014

Der Flug wollte nicht vergehen und ich fühlte mich erschlagen. Auch das neben mir sitzende Pärchen machte mir die Zeit nicht angenehmer. Als ich 8am landete und nicht ein Auge zu gemacht hatte fühlte ich mich fremd und traurig. Um zurück nach Kings Cross zu gelangen, nahm ich diesmal die U-Bahn und sah mir all die Menschen an die mich umgaben. Waren sie gerade auf dem Weg zur Arbeit? Ob sie bereits verheiratet waren, ob sie glücklich waren?
Zurück im Hostel, stand ich Ewigkeiten unter der Dusche, mit den Gedanken weit abgedriftet. Anthony, schrieb mir bereits, ob wir uns nicht treffen mögen. Eigentlich hatte ich keine Lust, wollte lieber für mich sein. Auf dem Weg nach draußen fing er mich bereits ab und wollte etwas unternehmen. Wir gingen essen, trafen uns auch so ein paar Mal die Tage, doch für mich fühlte sich meine letzte Zeit in Australien unwirklich an. Das Wetter war schlecht und eignete sich nicht zum Rausgehen. Einmal sah ich mir einen Dokumentarfilm über Weiße Haie im größten 3D-Kino der Welt an, suchte noch nach ein paar Geschenken und sortierte meine Sachen aus. Nur am aller letzten Tag war gutes Wetter und so gingen wir durch die Botanical Gardens runter zum Hafen und zum Opera House und ich genoss ein aller letztes Mal die unglaubliche Aussicht auf die schönste Stadt der Ostküste Australiens. Würde ich einmal wieder hier her kommen? Wann? Ich rollte auf meinem neuen Skateboard auf und ab und bereitete mich mental auf meinen Aufbruch vor. Bereits 16.00 Uhr musste ich mich auf den Weg begeben und Anthony bestand darauf mich zum Flughafen zu begleiten. Wir drückten uns und dann ging ich durch den Zoll. Alles was mir vor einem Jahr bei meiner Ankunft noch so schwer viel mit dem Ausfüllen der Ausreisebestimmungen und der Zollkontrolle war plötzlich kein Problem mehr und schon saß ich in dem zweistöckigem Flugzeug, dass mich nach 10,5 Monaten wieder in meine Heimat bringen sollte.
Die Motoren begannen langsam zu vibrieren und der Unterdruck brachte den Koloss in Bewegung. Doch ich, fühlte gar nichts. Hätte ich jetzt nicht eigentlich los weinen müssen? Da war nichts.
Dann hoben wir ab und waren in der Luft, ich schnappte nach welcher. Zum Glück, gab es TV´s an Bord und so schnell ich konnte stöpselte ich mir das Headset in die Ohren und schaute Serie. War wohl doch nicht alles gut. Und dann, ausgerechnet dann, stürzte der TV ab! Oh nein! Ein 11h langer Flug und kein Fernseher? Wieso passierte mir das? Ausgerechnet mir! Warum habe ich nur so ein verdammtes Pech? War es dieser Grund, oder ein Anderer, warum ich mich so aufregte. Tief in mir stieg die panische Angst, nicht zu wissen was ich tun könnte, wie ich mich ablenken sollte. Ich bestellte mir meinen ersten Alkohol an Board, einen schönen Glenfiddich.
Nach einer kurzen Weile konnte das Problem wieder behoben werden, und ich atmete auf. Nach 11h Flug landeten wir in Dubai, wo ich weitere 2h Aufenthalt hatte. Bis jetzt schlief ich kaum. Ich fühlte mich dreckig, ausgelaugt und erschöpft, viel zu down, um mir groß über etwas Gedanken zu machen. Nach einigem Hin und Her und das erneute rauskramen meiner Flugunterlagen, war es dann soweit, ich saß im Flieger nach Deutschland-Frankfurt. Ein eigenartiges Gefühl durchbohrte mich. In 7h würde ich wieder in der Heimat sein, dann wäre Australien vorbei. Bereits jetzt fühlte ich mich, als wäre alles nur ein wunderschöner Traum gewesen, einer aus dem ich jetzt aufwachte. Der neben mir sitzende Mann im Anzug, vielleicht ein paar 30 Jahre alt, wollte Small talk führen und war sehr aufdringlich, fragte, ob ich einen Freund hatte. „Also“ sagte ich, die sich unweigerlich an Alex erinnert fühlte „wohl jetzt nicht mehr.“ Danach wollte ich mich nicht mehr unterhalten, und machte Musik an, Alex´s und mein Song. Die Maschine hob ab, verließ den Flughafen und stieg in die Höhe. Da waren sie und mir schossen in die Tränen in die Augen und kullerten mir übers Gesicht. Mein Sitznachbar sah mich verstört an, sagte etwas, aber ich ließ die Kopfhörer drin und drehte den Kopf zur Seite. Was hätte er auch sagen können? Was hätte es ändern sollen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören und fragte mich, ob ich gerade einen riesigen Fehler beginge. Natürlich war die Vorfreude auf zu Hause riesig, dennoch verstand ich gerade nicht, warum sie jetzt sein musste und nicht noch etwas später. Mir ging so vieles durch den Kopf, aber eine Frage ganz besonders: „Werde ich Alex je wieder sehen?“ „Hier ihr vegetarisches Menü“ sagte die Stewardess und reichte mir mein Tablett. Ich packte das Sandwich aus der Folie aus und salzige Tropfen prasselten auf es nieder. Ich heulte, aß, heulte und schniefte. Hörte „am I not pretty enough“ in Dauerschleife und verbrauchte alle Papierhandtücher der Flugtoilette. Was machte ich hier nur gerade?! Es fühlte sich einfach nicht richtig an. Dann, nach ca. 6h Flug, kündigte der Pilot den beginnenden Anflug nach Frankfurt an und ich fragte mich, wo nur die Zeit geblieben sei. 20h war ich schon unterwegs und da ich erst am Abend in den Flieger stieg schlief somit seit 2 Tagen nicht mehr und verspürte in diesem Moment eine unglaubliche Ausgelaugtheit und Müdigkeit. Mein Weinen stellte sich ein, und ich wartete auf das nächste große Ereignis.

17th and 18th of July: Alex

04Aug2014

Auch der Morgen war so selbstverständlich und ich glücklich neben ihm aufzuwachen. Während ich mich im Bad fertig machte, pürierte er uns Smoothies zum Frühstück und verkündete mir strahlend, dass er bereits den ganzen Tag durchgeplant hatte, aber mir nicht verraten würde, was wir machen würden. Ich lieeebte Überraschungen und freute mich über die Mühe die er sich machte. Wir fuhren in das Stadtviertel Frementle, dass so Szenemäßig eines der Beliebtesten Ortsteile war. Am Leuchtturm die Sicht auf den Hafen genießend redeten wir über Pläne in der Zukunft und seine geplante Reise durch Europa nächsten Jahres. Die Bemerkung, dass London, wo er gerne für ein paar Jahre wohnen wöllte, ja nicht zu weit von Dresden entfernt sei, machte mich überglücklich. Ich atmete tief die salzige Luft des Meeres ein und war glücklich, mit diesem Mann an meiner Seite und wusste, er war es auch mit mir. So etwas hatte ich in meinem ganzen Leben mit noch nie jemanden geteilt. Danach gings aufs Riesenrad und leider nicht in die Pier-Bar, da ich meinen Ausweis vergessen hatte. Im Anschluss lud er mich in dem veganen Lokal ein, von dem er bereits das letzte Mal schon schwärmte, als ich in Perth war. Er bestand darauf zu bezahlen, da ich ja zu ihm geflogen war. Wir kauften ein paar Bier und fuhren dann zu einem nahen Strand an dem wir uns den Sonnenuntergang ansehen würden. Haaach, wie romantisch! Er vertraute mir Privates an und wir konnten uns nicht entscheiden der untergehenden Sonne zuzusehen oder uns gegenseitig in die Augen zu schauen. Für mich war es einfach magisch. Wieder auf dem Heimweg funkelte die Skyline der Stadt und es war merkwürdig wieder hier zu sein, so bekannt aber doch so abwegig. Ich sah zu Alex hinüber ans Steuer und er lächelte und nahm meine Hand. Nach einer kurzen Pause zu Hause gings noch in die Karaokebar und zu einem vegetarischen Nachtsnack zum Thailänder, wo wir im Anschluss eine Kokosnuss auszutschten. Wir hatte unglaublich viel Spaß an diesem Abend.
Und dann, wieder zu Hause, wurde mir klar, dass es die letzte Nacht sein würde, eh ich mich schon wieder von ihm trennen müsste, doch daran wollte ich jetzt nicht denken, wollte jede Sekunde in mir aufsaugen und genießen. Doch die Zeitverschiebung machte mir wieder etwas zu schaffen und so schlief ich wieder viel zu schnell ein. Am liebsten hätte ich die Augen keine Sekunde zugetan.

Der letzte Tag rückte an und Alex schlief noch. Ich war so hibbelig. Sollte ich ihn wecken? Nach einer weiteren Stunde wachte er endlich auf. Wir machten zusammen einen Obstsalat und planten den Tag. Rotnest Island, die Insel die ich das letzte Mal aufgrund des Wetters nicht besuchen konnte, war leider zu teuer und es war schon etwas zu spät, so entschlossen wir uns in die Botanical Gardens zu fahren, die er noch nicht einmal kannte. Die Aussicht auf die Stadt war unglaublich und das Wetter heute strahlte fast mehr als wir 2. Ich hätte so gern ein Foto mit ihm gemacht, um mich auf ewig an diesen schönen Moment zu erinnern, doch traute mich nicht zu fragen. „Wollen wir nicht ein Foto zusammen machen?“ schlug er vor und ich konnte nicht anders als zu schmunzeln. Wir waren uns zu ähnlich.
Im Gras liegend sahen wir uns an, lagen uns in den Armen oder küssten uns und ich fühlte mich so unendlich glücklich in diesem Moment, dass ich wünschte er würde niemals enden. Alles andere war egal und nach diesen paar Tagen wusste ich, dass, sofern das Schicksal mir etwas in der Zukunft helfen würde, ich einmal den Namen Jansen tragen werde. Es gab nur ihn! Er war perfekt und wir waren zusammen einfach nur perfekt! Ohne wenn und aber, es war genau so und nicht anders.
Die Sonne neigte sich langsam in Schräglage und wir fuhren zu seinem alten Stadtteil am Strand, der mich stark an Broome erinnerte und wunderschön war. An einer Bar am Hafen tranken wir ein Mangobier und die untergehende Sonne verriet uns, dass sich auch langsam unsere Zeit dem Ende zuneigte. Er versprach mir mich in einem halben Jahr in Deutschland zu Beginn seiner Tour zu besuchen, und sagte mir wieder wie besonders ich sei, und dass er das noch nie zuvor gefühlt hatte. Mein Herz stockte, denn mir ging es genau so. Nachher liefen wir den Pier mit seinen unzähligen Buden, Lokalen und Bars ab und blieben an einer Spielehalle stehen. Wie aus einem amerikanischen Film gab es dort etliche Sachen, um Wertcoupons gewinnen und gegen Schnick-Schnack einlösen zu können. Wir setzten uns kurz vor ein paar Attraktionen, tanzten um die Wette und kämpften beim Air-Hockey. Es machte unglaublich viel Spaß. Danach, er kannte sich wirklich gut aus, aßen wir eine vegane Pizza mit veganen Käse darauf eh es allmählich Zeit wurde nach Hause zu gehen. Gerade einmal knappe 2 Stunden später mussten wir schon wieder zum Flughafen fahren, wo meine Maschine 2 Uhr in der Frühe starten würde. Er machte die Musik an, die wir auch am aller ersten Abend zusammen hörten und wir umarmten uns fest. Ich musste mir eine Träne verkneifen und als ich zu ihm hoch sah, glänzten seine Augen nass und er sagte mich wackeligem Ton, dass er mich vermissen würde. Es war zu schlimm und wir beide konnten nichts mehr sagen. Wie konnte man nur nach ein paar Tagen so heftige Gefühle für jemanden empfinden? Und dann war er da, der Moment des Aufbruchs und ich konnte absolut nichts dagegen machen. Die Autofahrt war ruhig und nur das halten seiner Hand half mir dabei nicht los zu weinen, oder machte es das gerade so schlimm?
Am Flughafen, ich atmete tief durch, sahen wir uns an. Er unterbrach die Stillte. „Ich komm mit rein“ sagte er zum Glück und wir konnten die Verabschiedung noch eine weitere knappe Stunde hinauszögern bis ich als aller letzte durch den Sicherheitscheck musste. Eine letzte Umarmung, ein letzter intensiver Kuss und uns beiden stiegen die Tränen in die Augen. „Bis bald meine Hübsche“ flüsterte er mir ins Ohr, gab mir noch einen Kuss auf die Wange, dann lösten sich unsere Hände und wir gingen gingen unterschiedliche Richtungen. Ich sah ihm ein paar Mal nach, dann war er aus dem Gebäude. Ich ging durch den Sicherheitscheck, war einen allerletzten Blick zum Fenster und tatsächlich, da stand er noch, von außen und sah hinein. Ich warf ihm einen Luftkuss zu und drehte mich um, auf dem Weg zu meiner letzten Station in Australien und ich konnte die so lange angestauten Tränen nicht mehr halten, saß zwischen hunderten Leuten im Stuhl und mir flossen die Tränen über die Wangen. Erst als ich im Flieger saß fühlte ich eine Art Erschöpfung und konnte nicht mehr. Der Flieger setzte sich in Bewegung, rollte langsam auf die Landebahn. Saß Alex bereits im Auto? Trennten uns bereits jetzt schon ein paar Kilometer? Dann beschleunigte die Maschine und hob ab. … Hob ab und würde mich 1000de Kilometer von Alex weg bringen. …Hob ab und ließ mein Herz mit steigender Kilometerzahl immer schwerer werden. „Alex“ war alles woran ich denken konnte.

Wednesday the 16th of July: Can´t wait

04Aug2014

Die Aufregung und mein gewohnter Schlafrhythmus ließen mich gerade einmal 3h schlafen, als ich mitten in der Nacht aufstand, meine Sachen packte und an der Rezeption auscheckte. Das Bröckelenglisch und der starke Dialekt des Reception guys machten es mir nicht schwer seine deutsche Nationalität zu erraten, doch ich wollte mich mit meinem guten Englisch identifizieren. Auch war mir eines gerade in diesem Hostel negativ aufgefallen. Jenes war besonders für deutsche Backpacker populär und noch mehr für welche, die gerade erst in Oz angekommen sind und daher nichts mit „australischer Mentalität“ anfangen konnten. Meine einfach nur nett gemeinten Versuche eine Konversation mit meinen room mates zu starten wurde wohl eher als verzweifelte Suche nach Freunden gedeutet, sodass ich es gut sein lies, nett zu sein.
Der ebenfalls Deutsche von der Rezeption unterbrach meine Gedanken, als er sich mit einer Kippe draußen im Nass neben mich stellte. Ihm viel wohl vorher gar nicht auf, dass ich deutsch war, als ich die Sprache wechselte, was mich bestätigte. Witziger Weise stellte sich heraus, dass jener nicht nur Ossi, sondern sogar Dresdner war und damit der erste und wohl auch der letzte den ich in Down Under kennenlernen würde.
Dann kam endlich der Shuttlebus und in der nächsten ¾ Stunde war ich wieder am Flughafen, den ich heute 2x besuchen würde.
Anthony freute sich sehr mich wiederzusehen und schloss mich in seine Arme. Es war ein verfremdetes Gefühl dass es mir erschwerte ihn zurück zu umarmen. Danach frühstückten wir zusammen und unterhielten uns über Belanglosigkeiten. Das Verhältnis war ein eigenartiges. Zu erst wollte er in seinem Apartment einchecken, um sich von dem langen Flug kurz zu erholen. Ich wollte mich schon verabschieden, als er mich bat mitzukommen. Selbst noch müde lies ich mich in den Hocker sinken, während er schnell duschen ging. Mein Handy, irgendwo in meiner Tasche am anderen Ende des Raumes vibrierte. Anthony, der gerade aus dem Bad rauskam, stürmte zu meiner Tasche, durchsuchte sie und kramte mein Handy hervor und noch bevor ich etwas sagen konnte, hinderte ihn mein Code seine aufbrausende Frage selbst zu beantworten. „Wer hat dir da geschrieben? Ich will wissen wer dir da geschrieben hat!“ herrschte er mich an. Was war das? Dieses Verhalten ging mir eindeutig zu weit und ich konnte mir diese Reaktion beim besten Willen nicht erklären. Es war ein Freund aus Deutschland.
Ich konnte es kaum erwarten heute Abend im Flieger zu sitzen und wusste die richtige Entscheidung für mich selbst getroffen zu haben. Anthony würde sich heute Abend und die nächsten Tage mit seinen Freunden und seiner Familie treffen.
Und dann endlich endlich kam 17.00 ein weiterer Shuttlebus, den ich vor einem anderen Hostel abpasste, um wieder zum nun vertrauten Flughafen zu gelangen. Ich hatte lediglich eine kleine Tasche bei mir, die große lies ich im Hostel, und hoffte, dass ich sie auch wieder genau so vorfinden würde, wie ich sie zurück las.
Dann noch ein kurzes Gespräch mit dem Mann, dem ich hoffentlich gleich in den Armen liegen würde und dann setzte die Maschine zum 5h Flug ab.
Meine Nervosität stieg ins Unermessliche, als wir zur Landung ansetzten und ich konnte gar nicht begreifen wieder hier zu ein, Alex wiederzusehen. Noch einmal schnell ins Bad und das Spiegelbild gecheckt ging ich nach draußen wo er bereits auf mich wartete. Und. Mir um die Arme fiel, mich Küsste und noch eine Weile fest hielt. Es war als wäre ich nie fort gewesen. „Schön , dass du wieder da bist.“ Sagte er mir ins Ohr und stieg Freudestrahlend ins Auto. Es war unglaublich, wir kannten uns erst 2 Tage aber es fühlte sich so vertraut, so selbstverständlich an. Den Abend genossen wir unsere Zweisamkeit, lagen uns in den Armen und unterhielten uns Ewigkeiten, sahen uns einen Film an und schon jetzt verging die Zeit viel zu schnell für mich. Nur 2 Nächte lang könnte ich neben dem Mann meiner Träume schlafen. Ich wollte wach bleiben, doch nach Sydney-Zeit war es bereits 4am und ich über 24h Wach, mir vielen die Augen zu, sanft in den Armen von Alex, der mir immer noch über das Haar streichelte.

14th and 15th of July: I need to make a desicion

27Juli2014

Ich schlief lang in den Tag hinein, wachte mit einem nervösen Gefühl auf. Zwar hatte ich meine Entscheidung gefällt fragte mich dennoch, ob es die Richtige sei. Auch Anthony schien nicht mehr so Glücklich mit seiner gestrigen Reaktion zu sein. Ich sagte ihm, dass ich plante nach Perth zu fliegen, um einen Freund zu besuchen. Er war aufgebracht, wollte die Tage mit mir verbringen. Gestern, redeten wir noch über ein Abendessen heute wollte er, dass ich mit ihm die ganze Woche in seinem Appartement lebe. Ich wollte ihm auch gerecht werden und nicht unfair sein und plante nicht zu lange in Perth zu bleiben, musste sowieso von Sydney fliegen und wollte ihn nicht bedrängen. Den ganzen Tag kam ich nicht zum Buchen, da Anthony ein Auf und Ab in seiner Gefühlslage hatte. Es tat mir leid, dennoch wollte ich Anthony keine falschen Hoffnungen und Erwartungen machen wie das Verhältnis zwischen uns in Sydney sein würde. Was sollte ich nur tun?
Den Tag machte ich nicht viel, ging zum Frisör, etwas einkaufen und in die Stadt. Am Abend dann musste ich es offiziell machen und mir einig werden. Ich buchte meine Flüge und für 2 Tage würde ich nach Perth gehen. Vorher hatte Alex sowieso Besuch und nachher wäre für mich zu knapp, am 16. Abends würde es los gehen.
Diesen Abend genoss ich endlich in meinem Bett, schrieb meine Blogeinträge und ließ die Chips aus.

Ein Tag bevor Anthony ankommen würde, einen Tag bevor ich fliegen würde. Die Aufregung war groß und meine Gefühlswelt auf den Kopf gestellt. Ich packte alle meine Sachen zusammen, gestand Anth das Feststehen meines Fluges und aufgrund des noch immer anhaltend schlechten Wetters gings nur zu einem kurzen Ausflug in die Stadt. Ich genoss die Zeit des allein-seins und hatte ja bereits alles Lohnenswerte in Sydney gesehen und so verbrachte ich den Nachmittag wieder damit meine nach hinten stehenden Blogeinträge zu verfassen und mir etwas Ruhe zu gönnen. Morgen würde der Wecker bereits 3.30 klingeln, da ich Anthony trotz allem versprach ihn 6am vom Flughafen abzuholen und so lag ich bereits 7pm schlaffertig im Bett

Sunday the 13th of July: back in town

27Juli2014

Ausschlafen. War eigentlich das was ich wollte, doch ich konnte es nicht. Sobald ich meine Augen aufriss hatte ich nur einen Gedanken, ein einziges Wort in meinem Kopf „Alex“. Was war bloß verkehrt mit mir!? Ich kannte diesen Typen 2 Abende lang, und ja wir schrieben zwar noch, ein paar Nachrichten täglich, aber ich sollte aufhören mir was vor zu machen. Warum war ich nur so traurig und so naiv?
Doch der Tag hatte viel auf dem Programm und so hoffte ich meine Gedanken anderweitig füllen zu können. Zu erst gings in mein altes Hostel, um die Sachen, die ich dort ein Jahr verstaute abzuholen, bzw. die Amelie von ihren Koffer für mich in einen Beutel umpackte. Im Hostel wurde mir dann erst einmal mitgeteilt, dass meine Sachen nicht mehr dort seien. Es gebe eine neue Führung und alle Sachen seien in einem anderen Hostel untergebracht an das ich mich wenden müsse, welches allerdings erst ab 4pm wieder öffnete. Fein, dachte ich und hoffte nur, dass alles noch da sei. Der neue Betreiber, der vielleicht Mitte 30 war, meinte, dass ich die Zeit gerne mit ihm verbringen könnte, etwas Fernsehen. Ich lehnte dankend diese merkwürdige Anfrage ab und hatte nur im Sinn, dass ich doch so gern Zeit mit Alex verbringen würde. Wie auch immer. Für mich ging es heute zu den Paddy Market`s in China Town, um mich nach ein paar Geschenken für die Heimat umzusehen. Da ich ohne Karte los lief und mich nicht mehr recht entsinnen konnte war es ein langer Walk, bis ich mich endlich zu meinem Ziel fand. Ich schlenderte durch die Gassen, stoppte an all den unterschiedlichen Souvenirständen, den Elektronik-Shops, den Schmuck-Tischen und so weiter, gönnte mir eine billige und kurze Massage auf dem Markt und vergaß für eine Weile meine Gedanken. Als es bereits am Dämmern war machte ich mich auf den Rückweg zum Hostel und freute mich einfach auf mein Bett und meinen Computer. Ein Blick aufs Handy und natürlich einen auf Alex` seine FB-Seite verblüffte mich schockierend. Er postete nur eine winzige Kleinigkeit über seinen letzten Clubbesuch und den „beautiful girls“ doch ich verstand die Welt nicht mehr. Warum nahm mich das denn nur so unglaublich mit? Ich hätte am liebsten auf der Straße weinen können. Was war nur los? Wieso hatte er es mir nur so angetan? Postete er das, aufgrund meines Posts von meinem Clubbesuch letzte Nacht oder dachte ich schon wieder viel zu umständlich? …Das war es wohl. Aber da war was zwischen uns! Und auch für ihn! Das wusste ich! Ich konnte mich nicht so in ihm getäuscht haben!
Mein Handy schredderte mir „Last Resort“ ins Ohr bis ich am besagten Hostel ankam, um meine Kleider zu bekommen. Dort gab es allerlei Probleme mich in der Kartei zu finden, da ich ja, kein Wunder, meine Sachen nicht selbst hier verstaute, sondern Amelie das für mich tat. Nach einem langen Hin- und Her, konnte ich dann endlich meine Tasche ergreifen und ging zurück „nach Hause“. Direkt im Flur traf ich Briday, der mich nach meiner Abendplanung fragte. Ich sagte, dass ich eigentlich nur etwas essen gehen wollte, und er lud sich sofort selbst dazu ein, was mir aber sehr sympathisch war. Zu Subway gings und wir unterhielten uns über unsere Reisen und alles Mögliche. Er war nett, brachte mich auf andere Gedanken. Im Hostel, verabschiedete ich mich dann, ging nochmal in Coles, kaufte mir eine Tüte Frust-Chips und wollte mir einen Horrorfilm, indem es definitiv nicht um Liebe ging, ansehen. Vor meiner Tür stand dann Briday, der schon auf mich gewartet hatte. „Wo warst du?“ fragte er. „Einkaufen“ sagte ich. „Wartest du schon lange vor meiner Tür?“ Ich öffnete und er kam mit hinein. „Und nun?“ fragte er. Naja. Direkt wollte ich ihm nicht sagen, dass ich heute Abend nur Trauerkloß spielen wollte. Wir unterhielten uns noch eine Stunde, als ich aufs Handy sah und bemerkte, dass Alex mir schrieb, sich nach mir erkundigte. Ich sagte Briday, dass ich müde sei und ins Bett wolle, was ja auch stimmte, und verabschiedete mich von ihm. Er drückte mich direkt und fragte, ob wir uns morgen wiedersehen würden. „Bestimmt“ erwiderte ich und konnte mich endlich meiner elektronischen und nicht vorhandenen Beziehung widmen. Wir schrieben eine Weile hin und her. Er sagte, dass er oft an mich denke, mich vermisse, machte einen Scherz, dass er wohl nach Sydney fliegen müsse, um mich noch einmal zu sehen. Oh, und dann platzte es aus mir heraus, dass es mir genau so ging, und ich gestand ihm, ihn einfach nicht aus meinen Kopf zu bekommen. Noch mehr musste ich nach Luft schnappen, als er sagte, dass es ihm genau so gehe und dass er überglücklich sei, nicht der Einzige von uns zu sein der so fühlte. Er meinte, dass ich besonders sei, er wünschte er hätte mehr Zeit mit mir gehabt, traurig war, als er mich zum Flughafen brachte und mich so gerne wiedersehen würde. Ich konnte es nicht fassen, so glücklich machte er mich mit diesen Worten. Und da war sie dann ganz plötzlich, die Frage, die auf einmal offen im Raum stand. Die Frage, ob ich nicht noch einmal nach Perth fliegen und ihn besuchen solle…

VERRÜCKT !!! Das denkt ihr doch gerade, oder? Gebt es zu!!!
Ich für meinen Teil konnte in diesem Moment nicht klar denken, denn das war alles was ich mir gerade von Herzen wünschte. Ich sagte ihm, dass ich wöllte, aber mir es noch einmal überlegen müsste, auch wegen dem Geld. Er sagte, dass ihn allein die Vorstellung unglaublich Glücklich mache.
Mein Herz klopfte wie wild und Adrenalin durchfuhr meinen Körper. Was nun? Was nun? Was soll ich tun??? Es war ja nicht nur wegen ihm, es war auch wegen Anthony, der schon die ganze Woche durchgeplant hatte.
Ich brauchte eine 2. Meinung und rief Amelie an, erklärte ihr von meiner Zwielage, wie ich fühlte, und dass ich es mir so sehr wünschte. Sie gab mir eine tolle Antwort! Oder eine egoistische? Sie sagte ich solle auf mein Herz hören und meine letzten Tage in Australien genießen, mit der Person verbringen mit der ich es mir wünsche und wer weiß, vielleicht ist es ja sogar wirklich dieser Eine. Wer nicht wagt, der schließlich auch nicht gewinnt.
Wow, dachte ich mir, doch das reichte nicht. Ich rief meine Mutter an, die, genau so reagierte wie erwartet. „Lisa“, setzte sie an. „Das wäre so fies Anthony gegenüber!“ Da musste ich ihr wohl leider zustimmen. Aber sollte es im Leben nicht darum gehen, alle Möglichkeiten zu Nutzen, die Chance zu ergreifen? Aber welche Chance überhaupt? Ich wusste, danach würde ich ihn mindestens 8 Monate nicht wiedersehen, von einer Beziehung würde nie die Rede sein, er vielleicht würde andere Frauen kennen lernen und sich neu vergucken? Vielleicht sogar ich? Aber vielleicht vergisst er mich ja nicht so schnell wenn ich noch ein paar Tage mit ihm verbringe…. Mein Kopf war ein Wirr-Warr. „Außerdem“ setzte sie fort „kann man im Leben nun mal nicht alles haben was man sich wünscht!“ Das war ein Schlag ins Gesicht, denn darum geht es doch schließlich im Leben oder etwa nicht? Das ist doch der Grund warum wir jeden Morgen aufstehen. Das ist doch das Ziel im Leben? Oder holte ich gerade zu weit aus? Ich bedankte mich für ihre Einschätzung der Lage und musste nun auch noch meine Schwester die selbe, theatralische Geschichte erzählen. Sie stimmte teils meiner Mutter zu. …Aber wenn es mir so viel bedeutete meinte sie… Aber zu erst sollte ich wohl offen mit Anthony reden, was seine Erwartungen betrifft. Und damit hatte sie vollkommen Recht! Ich musste mit ihm reden!

Dieser versuchte bereits mich anzurufen, aber ich wusste noch keine Antwort und solang wollte ich nicht mit ihm reden, konnte ich nicht mit ihm reden. Ich brauchte etwas Privatsphäre! Ich schloss mich im Bad ein, saß im Schneidersitz auf dem Klodeckel und starrte lange lange die Wand an. Warum sollte ich fliegen, fragte mich mein Kopf. Das bringt doch nichts, sagte er. Ich bin wie immer viel zu naiv, werde nur wieder verletzt, enttäuscht, der Abschied wird nur noch schwerer fallen und auf lange Sicht habe ich damit nichts gekonnt. Dann stellte ich mir die Tage vor, die ich mit Alex verbringen könnte und mir wurde warm ums Herz. Könnte er wirklich dieser eine im Leben sein? Wenn es so etwas wie Schicksal wirklich gibt und das perfekte Gegenstück zu einem, dann wäre die Antwort zu 100% ja! Ich glaube ich saß bereits 2h im Bad und kam zu keiner Antwort. Schon wieder ein verpasster Anruf von Anthony. Dann eine SMS von Alex, wie froh er wäre und ob ich nicht gleich meinen Flug nach Deutschland von Perth aus umbuchen könne. Ich dachte daran was Amelie sagte, worauf mich mein Kopf wieder nach dem Sinn fragte. Das war es! Das war sie, die Antwort und auf einmal war es mir ganz klar! Natürlich! Genau das war der Sinn, Glücklich zu sein! Glücklich im Leben und wenn ich es nicht einmal versuchte, aufgeben würde bevor ich überhaupt nach der Chance greifen würde, das könnte ich mir nicht verzeihen. Nein, ich wollte kein Kopfmensch sein. „Just say yes“ ließ mich mein Motto entscheiden und ich wusste was zu tun war.
Ich wählte Anthonys Nummer, auch wenn es hieß ihn damit zu enttäuschen… Doch danach konnte es nicht gehen.
Nach einer knappen Begrüßung suchte ich die richtigen Worte, versuchte anzusetzen, ließ es wieder fallen, wusste nicht wie. Natürlich merkte er, dass etwas nicht in Ordnung war und so begannen wir zu reden. Ein langes, langes und offenes Gespräch. Von seinen Erwartungen und von meinem Leben, welches ich schon bald in Deutschland fortführen würde. Zu meiner Überraschung war er nicht so aufgebracht wie erwartet, sagte, dass er sowieso plante mit mir darüber in Sydney zu reden, aber dass er mich trotzdem gerne sehen möge. Von Alex sagte ich ihm bisher noch nichts, da ich der Meinung war, es ihm nicht auch noch unter die Nase reiben zu müssen. Nach einem langen Gespräch gingen wir gut auseinander und er meinte auf jeden Fall trotzdem nach Sydney, auch wegen seiner Familie und seinen Freunden zu kommen. Ich war erleichtert. Nach 4 Stunden die ich im Bad verbrachte war es bereits 1am und überglücklich schrieb ich Alex meinen Entschluss. Wir schrieben die halbe Nacht und konnten es beide kaum erwarten uns wiederzusehen. Morgen würde ich die Flüge buchen und mit einem Kribbeln im Bauch schlief ich ein.

Saturday the 12th of July: Adelaide

27Juli2014

Düm dümm düm düm. Düüm düümm düm düümm. War da was? Nein! Oder doch? Es ist doch noch mitten in der Nacht. Der Wecker? Der Wecker! Schnell kletterte ich aus dem Bett, um ihn auszuschalten und nicht jeden im Raum aufzuwecken. Immerhin hatte diese Methode geholfen mich aus dem Bett zu holen und meinem Äußeren wenig Beachtung schenkend machte ich nur das Nötigste und Praktischste. Warme Klamotten, Zähne putzen und Gesicht waschen, Haare zu einem Zopf, noch ein paar Haarspangen rein, fertig. Auch Domingo nahm heute den Flug nach Sydney, über Adelaide. 5.10 Uhr in der Frühe holte uns der Bus ab und fuhr uns zum Airport, wo wir auf die chinesische Familie vom Bootstrip trafen und darüber Scherzten, ob sie sich auch im Flieger übergeben müssten. Durch Zufall saßen wir genau hintereinander, sodass sich der gleichaltrige Mexikaner auf den freien Platz neben mir setzte. Interessiert fragte ich ihn über seine Herkunft und Kultur aus, da ich noch niemanden dieser Nationalität persönlich kennen gelernt hatte.
Er stellte sich darauf ein die nächsten 9h am Flughafen zu verbringen, ich wollte heute die Stadt erkunden und fragte höflicher Weise, ob er mitkommen möchte und so ging ich mit ihm, bereits mit der Erfahrung von Vorgestern, zielstrebig zur Bushaltestelle. Die Fahrt war etwa 20 Minuten und ich hatte Zeit für mich und meine Gedanken. Alex hatte mir noch nicht geantwortet, es aber gelesen. Würde er noch schreiben? Wollte er nur nicht anhänglich wirken, oder interessierte es ihn nicht weiter. Er war momentan alles woran ich denken konnte und ich hasste es in dieser Situation zu sein. Im Zentrum angekommen liefen wir zu erst zur Fußgängerbrücke Richtung Stadion, von wo aus man den besten Blick auf die Skyline der City hatte. Domingo war nett, und auch sehr gesprächig, vielleicht etwas zu nett und zu gesprächig für mich. Ich hörte mit halben Ohr zu, in Gedanken bei Perth, als er mich spontan fragte, ob ich eigentlich einen Freund habe. Was sollte ich sagen? Es gab da jemanden, antwortete ich. Die Antwort bereits kennend fragte ich ihn das Selbe.
Mittlerweile waren wir bei dem City Markets, wo uns die Obst- und Gemüseverkäufer die billigen Preise um die Ohren schmissen. Wir kauften ein paar Muffins zum Frühstück, hatten einen Smoothie und schländerten gemütlich durch die Gänge. Dann nahmen wir die Bahn in Richtung Strand und sofort fielen mir die Augen zu. Auch diese Nacht hatte ich gerade einmal 3,5 h Schlaf gehabt. Die Promenade war schön und einladend und der Pier versprach ein paar schöne Bilder. Danach gönnten wir uns Lunch, als es langsam wieder zurück zum Airport ging, da Domingo 2h eher als ich nach Sydney fliegen würde. Angekommen kaufte ich mir mein erstes englisches Buch. Umso mehr überrascht war ich, als mir der Einband tatsächlich verriet, dass ich mir ein deutsches, ins Englisch Übersetzers Buch gekauft hatte. Dann die Verabschiedung von meinem neuen mexikanischen Freund. Eine Umarmung, ein Kuss auf die Wange, ein „war schön dich kennen gelernt zu haben“ „war auch schön die kennengelernt zu haben“ und ein „vielleicht sieht man sich ja mal in Sydney“ und dann war er weg. Und dann war sie endlich da, die Nachricht von Alex und obwohl es nur ein paar Zeilen waren hielt mein Herz für einen Schlag auf zu klopfen. Er denkt an mich, hatte er geschrieben. … Ich war ein hoffnungsloser Fall. Ich telefonierte eine Weile mit meiner Schwester, die natürlich über alles informiert war und mich fragte, was denn mit Anthony sei. Meine Blase platzte. Dieser würde ja in ein paar Tagen auch nach Sydney kommen, zwar auch um Familie und Freunde zu besuchen, aber auch um mit mir die letzten Tage in Australien zu verbringen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Aber warum denn? Wir waren nicht zusammen und ich nicht verliebt, aber er, vielleicht immer noch. Wir standen die Zeit über auch in Kontakt und mir wurde immer mulmiger, was er sich von seinen Sydneybesuch erwarten würde. Von Alex hatte ich nichts erwähnt, aber auch aus dem Grund, ihn nicht unnötig zu verletzten. Aber was brachte das überhaupt. Alex würde ich wahrscheinlich und vielleicht nie wieder sehen. Aber ich hoffte es, in 8 Monaten in Europa.
Dann nahm ich endlich die Maschine nach Sydney, da wo vor einem knappen Jahr alles begann und es war ein merkwürdiges Gefühl wieder hier, diesmal allein zu sein.
Der Shuttlebus brachte ich zu meinem Hostel, indem auch meine Reise startete und im 10-dorm eigecheckt atmete ich einmal tief durch. Zum Glück würde ich mich bereits in einer Stunde mit 2 Jungs treffen, die aus dem Perth Hostel kannte, und obwohl ich keine 5 Minuten zuvor angekommen war, freute ich mich auf Ablenkung und darauf etwas zu tun zu haben. Im Zimmer lernte ich Briday, den Kanadier kennen, der einen netten Eindruck machte.
Danach gings nach draußen in die kalte Nacht. Sofort merkte ich, was mir damals an Sydney so gefiel. Gefüllte Straßen, offene Bars, Läden und Restaurant und freundliche und/oder betrunkene Leute die einen einfach so ansprachen. Die 2 Deutschen, welche gerade erst in Australien angekommen waren gingen mit mir in einen Nigthclub, worauf ich so gar nicht vorbereitet, gekleidet in Leggins und einen Schlabberpulli war. Doch nachdem der erste Cocktail die Kehle herunter floss fühlte ich mich etwas besser. Es war immerhin Samstag Abend. … Und Alex war bestimmt auch aus, feiern… Vielleicht hatte er ja sogar schon die Nächste kennengelernt. Darauf musste mit den 2. Cocktail angestoßen werden. Lange blieb ich nicht, da ich einfach nicht in Stimmung war, verabschiedete mich von den 2 Jungs, wünschte ihn ein tolles Jahr und alles Gute und machte auf den langen Weg zurück zum Hostel. Coles hatte noch offen, also gönnte ich mir noch eine Tüte Chips, legte mich ins Bett, schiss einen Film an und hoffte, dass mir beides beim Einschlafen helfen und meine kreisenden Gedanken unterbrechen würde.

Friday the 11th of July: the Great Whites

27Juli2014

Der Morgen begann kurz vor halb 6am, als der Wecker klingelte und mein Handy mir verriet, dass mir mein Lieblingsaustralier eine Nachricht geschrieben hatte. Mein Herz klopfte und so viel das aus dem Bett Steigen nicht besonders schwer. Schnell ins Bad, und anziehen. Warm anziehen. Leggins unter die Jeans, 2 Paar Socken, ein normales und ein dickes Paar, ein T-Shirt, ein dünner und ein dicker Pulli und natürlich mein Wind-Breaker. Und dann trafen wir uns (lediglich alle aus dem Raum) um 10 nach 6 vor dem Hostel, um vom Shuttlebus zum Hafen gefahren zu werden. Es war noch tiefste Nacht und das Nass des Regens noch nicht getrocknet. Lediglich der leichte Wind versuchte die Straßen trocken zu wehen und durchfuhr auch unsere Körper und legte sich um Knochen und Mark.
Angekommen trafen wir auf andere Passagiere, die uns begleiten würden und insgesamt waren wir 12 Personen, die kaum darauf warten konnten, das größte Raubtier der Meere zu sehen. An Bort, es war ein normales, kleines Boot mit allerlei Sitzen, waren wir immerhin etwas vor Wind geschützt, was nichts daran änderte, dass die Kälte schon lange zu unseren Innereien durchgedrungen war. Und dann legten wir ab und das monotone Tuckern und Takkatak des Motors ließ mich dämmerig werden und ich schlief ein.
Ohaha, was war das? Es war hell und ich viel fast aus dem Sitz. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich mich in meiner Umgebung zuordnen konnte. Ahahh. Und schon wieder. Ich sah nach rechts aus dem Fenster als auch schon die nächste gigantische Welle drohte ans Boot zu preschen. Ich hielt mich an Vorder-und Rücklehne fest. Platsch. Und das Boot war in Schräglage, sodass ich nur noch den Himmel aus der rechten Seite sehen konnte. Eine Sekunde später hatte ich ein starkes Abwärtsgefühl in der Magengegend, wie als würde man Achterbahn fahren und wir waren ein paar Meter in der Bresche eh die nächste Welle komme würde und ich sah nur noch Wasser. Ich versuchte mich abzulenken, sprach mit den Jungs aus dem Zimmer, doch es wurde immer schlimmer. Ich versuchte ein Video zu drehen, doch schaffte es kaum aufzustehen und nicht umher geschleudert zu werden und am offenen Ende des Bootes spritzte das Wasser nur so hinein. Am Anfang war es noch etwas belustigend, eh der Fahrer an Geschwindigkeit zunahm und das schwere Boot teils übers Wasser flog und mit einem harten Knall und Rütteln wieder auf die Wasseroberfläche aufprallte. Die Wellen wurden stärker und rammten die Seite des Bootes und ich bekam immer mehr Angst, dass uns die nächste komplett überspülen würde, so hoch war es. Ich richtete meinen Blick suchend zu den Schwimmwesten um mich und bekam ein übles Gefühl in der Magengegend. Für die chinesische Familie in der Reihe vor mir war es bereits zu spät. Beide übergaben sich direkt auf dem Fußboden vor ihnen und ich hoffte, dass es nicht zu meiner Reihe nach hinten laufen würde. Der bissige Geruch des Erbrochenen machte es mir nicht leichter, mich auf etwas Anderes zu konzentrieren ehe ich aus dem Fester wieder keinen Horizont sehen konnte. Es war grauenhaft. Ich suchte nach der Sonne am Himmel, um mich zu orientieren in welche Richtung ich nach Land Ausschau halten müsste. Mein Handy tat ich in die wasserfeste Hülle, im Falle, dass ich einen Notruf absetzten müsste, sollte ich irgendwo Empfang bekommen. Dann wurde mir klar, dass ich eine ungünstige Sitzposition im Boot, weit weg von der Tür hatte. Ich hatte wirklich ernsthafte Angst, überlegte mir bereits mit wem ich wann und was das letzte Mal gesprochen hatte. Mir war klar, es wäre nicht die Gefahr unter Wasser, welche uns töten könne, es war vielmehr das Wasser selbst, was mit seiner Kälte von gerade einmal 12 Grad uns langsam den Verstand rauben würde. Die schweren Sachen würden es nicht einfach machen sich an der Wasseroberfläche zu halten und da das zirkulierende Blut in Arme und Beine fließen würde, bewege man sich im Wasser, würde man viel zu schnell auskühlen und ich schätzte es als nicht länger als 15 Minuten machen. Ich musste mich irgendwie ablenken, Schweiß trat mir auf die Stirn. Das Einzige was ich die nächsten 2 Stunden tat war mich an den Sitzen festzukrallen und zu hoffen, dass wir es schaffen würden, schaffen würden auf offene See zu gelangen, wo die Wellen wieder nachlassen würden. Auch hatte ich mit meinem Magen zu kämpfen und ich fragte mich, was sich eher lohnen würde: Nach vorne zu gehen, um eine Kotztüte zu ergattern und mich vielleicht bereits auf dem Weg zu übergeben oder einfach sitzen zu bleiben, in der Hoffnung es vielleicht doch nicht zu müssen. Die Zeit verging nicht.


Und dann eeeendlich nach 2 ganzen Stunden schafften wir es auf offene See und das Schunkeln und Schaukeln, ja das rapide Auf und Ab, das Schwanken und das Brechen, das Knallen und das Fliegen, das Platschen und das Krachen hatten endlich ein Ende. Ich fühlte die Nervosität noch tief in mir, als die Anderen fragten, warum ich so blass aussehe. Ich wollte es nicht zugeben. Ich unterhielt mich eine Weile mit eigentlich jedem der 5 Jungs aus meinem Zimmer und verstand mich gut mit ihnen und dann nach einer Weile hielten wir an, lichteten den Anker. Das Wetter war gerade wieder gut und die Sonne brachte das Wasser zum Glitzern. An der steinigen Küste der Inselgruppe vor uns konnte ich ein paar Seelöwen entdecken die ebenfalls die warmen Strahlen tankten und die Meeresbriese schnüffelten. Dann gings in die dicken 3mm Wet-suits, Handschuhe, Schuhe, Kopfbedeckung, alles damit man nicht zu schnell auskühlte. Der Käfig wurde bereits ins Wasser gelassen und schon brüllte einer der Mitarbeiter: „Hai!“ Wo? Da im Wasser, kreiste tatsächlich ein ca. 3m langer Fleck direkt unter der Oberfläche. Während ich noch mit dem engen Neopren zu kämpfen hatte stürzte sich die erste Gruppe direkt an den Käfig und verschwand mit den blubbernden Mundstücken unter der Oberfläche. Lange blieben sie dort, fast 20 Minuten und wir versuchten ein paar rasche Blicke von der Meeresoberfläche zu ergattern. Es war nicht so wie in einem Film. Dennoch beeindruckend! Keine Rückenflosse die an die Oberfläche trat, kein Rammen des Bootes und schon gar nicht ein mit offenem Schlund aus dem Wasser springender 12m Hai der mit seinen 7 Zahnreihen einen von uns in die Tiefe reißen würde. Es war lediglich ein grauer Fleck, der ab und an langsam schwimmend und dicht unter dem Meeresspiegel zu sehen war. „Ist das Wasser sehr kalt?“ fragte ich die verantwortliche Tourleiterin, mental darauf eingestellt, dass es schlimm, bitterkalt und schmerzhaft werden würde. „Ja“ sagte sie und das klappern meiner Zähne übertönte fast ihre Antwort.
Dann endlich tauchte die erste Gruppe auf und wir waren an der Reihe. Schon ewig hatte ich auf diesen Moment gewartet. Und dabei redete ich nicht von den letzten 20 Minuten in denen ich bereits im Wet-suit saß und bibberte, auch nicht von dem frühen Morgen der uns einen fröstelnden Tag versprach. Ich redete von einem Kindheitstraum den ich habe, seitdem ich denken kann. Schon immer war der Great White mein absolutes Lieblingstier, ja seit der Grundschule träumte ich schon davon einmal Meeresbiologin zu werden und in Australien an der Rettung des so gefürchteten Giganten zu arbeiten. Ja, in diesem Moment würde ein wahrer Traum für mich in Erfüllung gehen und so spürte ich nicht die Kälte an den Knöcheln, die kein Neopren bedeckte, oder die Nadelstiche im Gesicht, an das das Wasser herantreten konnte, ich hatte keine Angst unter Wasser zu tauchen, alle meine Gedanken waren einzig und allein darauf fokussiert und konzentriert die Hoffnung zu ergreifen eines der beeindrucktesten Geschöpfe der ganzen Welt sehen zu können.
Pffffffff, Schhhhhhnnnchhhhhh. Phhhfffffffff. Schhhhnchhhhh. Monoton und paralysiert war einzig und allein das Geräusch meiner Atmung mit dem Mundstück ein Indiz darauf, dass dies gerade wirklich passierte. Das Wasser war kalt und tief blau. Und es war still. Ich war die Erste unter Wasser und tauchte in meine Ecke des Käfigs. Hielt Ausschau, in alle Richtungen. Wie weit konnte man wohl sehen? Ich sah nur blau. Unter uns sammelten sich ein paar Fische. Die Strömung ließ das robuste Gestell leicht rotieren und ich schwebte im Käfig. Langsam tauchten auch die anderen unter Wasser, doch vom Weißen Hai war bisher keine Spur. So verharrten wir unter Wasser, jeder zirkulierend in seiner Ecke, suchend und in der Hoffnung den stummen Giganten in irgendeiner Richtung sehen zu können. Die Unterwasserkameras stierten genauso ins Leere wie wir und wir verharren stumm, warteten. War da was? War das etwa ein Schatten? Oder bildete ich mir das nur ein? Bevor ich überhaupt der Antwort näher kam, fragte ich mich, ob ich überhaupt einen sah. Langsam, ganz langsam, kroch auch die Kälte durch das Neopren hindurch und ließ meine Atmung ungleichmäßig und meine Bewegungen langsamer werden. Dann begann das Taubheitsgefühl in Zehen und Fingerspitzen und ich begann zu Zittern. Wie lange waren wir wohl bereits unter Wasser? NEIN! Sagte ich mir selbst, „du musst es noch eine Weile aushalten, Lisa! Du würdest es dir nie verzeihen ihn nicht zu sehen, den Hai. Du musst noch eine Weile abwarten.“ Und die Zeit verging, oder sie verging gar nicht. Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass es unwahrscheinlich kalt war. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich musste hoch, raus hier. Ich konnte nicht mehr. Die Crew half mir hinaus aus dem Wasser und zog mich zurück ins Boot. Nur schwer gelang es mir mich von Maske und Kopfstück zu befreien und ich nutzte den Schlauch mit heißem Wasser, um meine Körpertemperatur zu steigern. Auch alle anderen hielten es nicht mehr aus und folgten mir. „Kein Erfolg“ Erklärten wir den Anderen, die sich nun zügeln mussten von ihrem Erlebnis zu schwärmen. „Vielleicht später noch mal“ ließ uns die Tourführerin hoffen und so blieben wir in unseren wet Wet-suits.
Um den Hai anzulocken benutzten sie lediglich Musik, die sie unter Wasser abspielten, um aufgrund der Vibration die Raubtiere anzulocken. Das Team erklärte uns, dass wenn man den Hai mit einem Köder anlockt und kurz bevor jener ihn erbeutet, an der Leine zieht, um ihn besonders nah an den Käfig zu bekommen, Verletzungen auftreten können. Der Hai könnte den Käfig rammen oder ihn sogar beißen uns sich dabei Haut auf schlürfen oder sogar Zähne verlieren. So viel leuchtete mir ein, aber warum konnten wir nicht einfach einen Köder ins Wasser werfen, ohne Leine?
Über eine Stunde war bereits vergangen und der Neoprenanzug tropfte noch genau so, wie als wäre ich frisch aus dem Wasser gestiegen. Mittlerweile war auch die Sonne wieder verschwunden und der Wind blies in einer Eiseskälte um uns herum. Mein Hauptgedanke drehte sich mittlerweile nicht mehr um den Hai, sondern nur noch um die Kälte, die mich umgab, die tief in mir war, die mich beben lies.
Oscar, der Australier in meinem Alter, der mit seinem Freund diesen Ausflug machte, erzählte mir von seiner Europatournee und ich konnte es kaum fassen, als er breit grinsend meinte, dass er sogar in Dresden war. Da gab es natürlich viel zu bereden. Er erklärte mir, dass er die beste heiße Schokolade in seinem ganzen Leben dort getrunken hätte. „Wo?“ fragte ich verdutzt und riss die Augen auf. Ee wusste es nicht mehr, doch malte mir Gedanklich ein Bild von dem Ort an dem der Laden war. Ich wusste wovon er sprach, vom Altmarkt und ich konnte es kaum erwarten wieder zu Hause dem Touri-Tipp zu folgen. Hmmm. Heeeißeee Schoookooolaaadeee…. Dachte ich, während ich versuchte meine Hände zu öffnen und zu schließen, damit das Taubheitsgefühl verschwand. Eine weitere Stunde strich in die Ferne und die Kälte lies mich wütend werden. $1000 hatte ich in diesen Trip investiert um in eine Bucht geschippert zu werden, in der die Anwesenheit der Haie vermutet wird. Keine Radargeräte, keine Köder kein gar nichts. Es ging nicht mehr. Ich musste aus den Sachen heraus. Meine Lippen waren blau und meine Füße hörten nach meiner Empfindung nach auf zu existieren. Im Umkleideraum brauchte ich eine Ewigkeit mich aus dem engen Nass zu zwängen und in die trockenen Sachen hereinzufahren, doch ein Wärmegefühl stellte sich nicht ein. Wieder an Deck setzte ich mich gerade auf einen der Stühle eh es von hinten brüllte: „Hai“. „Hai ist wieder da“ WAS!? Das Schicksal meinte es heute nicht gut mit mir. Ich fragte die Tourleaderin, ob es noch einen trockenen Anzug in meiner Größe gab, sie verneinte. Das heißt, wollte ich den Hai sehen, musste ich mich zurück in meinen nassen, engen und kalten Suit kämpfen und diese Überwindung lies mich fast Wahnsinnig werden. Noch immer fehlte jede Feinmotorik oder überhaupt das Gefühl der Anwesenheit von Körperteilen mit Feinmotorik. Natürlich war der Käfig wieder voll von Tauchern und aus jeder der 4 Ecken stiegen die Blubberblasen der Mundstücke empor. Ich konnte ahnen was das hieß. Ehe diese wieder aus den Wasser kommen, würde der Hai wieder längst verschwunden seien. Dann tauchten die glücklichen Gesichter derjenigen auf, die beim ersten Tauchgang kein Glück gehabt hatten. Endlich war auch ich im Wasser und das gleiche Szenario wie vor 3 Stunden schien sich zu wiederholen. Nichts. Nichts als das tiefe Blau, welches mich und Domingo, den Mexikaner, welcher bisher auch kein Glück hatte, umgab. Wir verharrten eine Weile oder eine ganze Weile in der anderen Welt, eh uns das Schütteln der Gliedmaßen wieder in die Realität zurückholte. Es mussten um die 20 Minuten vergangen sein in denen wir wieder unter Wasser waren und wieder hielt ich es mental und körperlich nicht mehr aus, die Kälte aus meinen Gedanken und schlussendlich aus meinem Inneren zu verbannen. Ich musste raus hier. „Und?“ fragten mich die anderen Erwartungsvoll. Ich verneinte. Ich ließ das heiße Wasser eine Weile über Haare, Gesicht, Brust, Rücken und Bauch rinnen, eh ich mich überwand es abzudrehen und mich umzuziehen, was wieder fiel Mühe und Zeit erforderte. Ich sank im Stuhl zusammen, fror und war müde. Es war bereits nach 3 was hieß, dass es bald wieder zurückgehen würde. Einen Hai hatte seit einer ganzen Weile keiner mehr gesehen und dann wurde der Käfig eingeholt und der Motor gestartet. Und das wars. Das war das ganze Abendteuer. Ich war enttäuscht. Enttäuscht von der Tour oder von mir, dass ich es nicht länger ausgehalten habe? Doch fast noch schlimmer als dieser Gedanke war jener, dass die Fahrt zurück zum Festland auch hieß, wieder durch die tobenden Wellen kommen zu müssen. Doch noch bevor mir jener Gedanke weiter zusetzen konnte vielen mir die Augen zu.
Das nächste Mal, als ich sie öffnete war es bereits dunkel. Es war kurz nach 5. Die Wellen waren nicht ganz so stark wie heute Morgen und die Kälte nicht mehr ganz so präsent, oder doch? Wir bekamen etwas Obst und einen Tee, was etwas gegen die Kopfschmerzen halt. Noch weitere 2h ehe wir das Festland erreichen würden. Ruhig und müde verharrten alle auf ihren Sitzen liesen die Zeit um sich herum wartend vergehen. Der Rest geschah ganz nebensächlich. Es ging aus dem Boot hinaus. Domingo und ich, die die einzigen von den 12 Passagieren waren, die den Hai nicht gesehen hatten, mussten die zusätzliche Käfiggebühr von $100 nicht bezahlen, da eigentlich eine Garantie bestehe. Der Bus fuhr uns zurück ins Hostel und der erste war bereits im Bad verschwunden und durch die Tür hindurch hörte man das beruhigende prasseln der Dusche. Weißer Dampf quoll langsam durch die Spalten zwischen Rahmen und Tür hervor und füllte den Raum mit einem angenehmen Duft. Dann war ich endlich an der Reihe und nach 2 Minuten schaffte es die Abzugshaube nicht mehr den Wasserdampf aus der Luft zu saugen und ich befand mich in weißen Nebel. Die Haut war rot, ob von der Kälte oder der Hitze, auf jeden Fall fühlte ich noch immer das Schwanken des Meeres in meinem Körper und musste mich einen Moment an der Stange festhalten.
Die Jungs reservierten einen Tisch im hauseigenen Restaurant und mit bereits zufallenden Augen gönnte sich unser Raum ein heißes Abendessen mit Saft oder Tee. Vor dem Schlafen gehen wurde sich noch von allen verabschiedet und die 2 Jungs aus Melbourne drückten mich fest. Oscar meinte, dass ich einen Flug buchen solle, die letzten Tage bei ihnen wohnen könne und er mir mehr von Victoria zeigen könnte. Irgendwie ein seltsames Angebot, so nach einem Tag, dachte ich, fand es auch wieder symphytisch wie easy going die Australier doch sind. Und endlich, endlich lag ich im Bett, abwartend mich von der Müdigkeit überwältigen zu lassen. Doch wo war sie auf einmal hin? Mein Handy, mit dem ich den ganzen Tag keine Empfang hatte, verriet mir, dass mir Alex keine weitere Nachricht geschrieben hatte, auf welche ich vielleicht etwas gewartet hatte. Sollte ich ihm schreiben? Er ging mir einfach nicht aus dem Kopf, ob es ihm genau so ginge? Oder hätte er mir sonst geschrieben? Oder ging es ihm genau so wie mir gerade, auf eine Nachricht von mir wartend? Oder machte ich mich zum Affen? Ich schrieb ihm. Zwang mich danach mein Handy wegzulegen, nicht darauf wartend, dass er online ginge, denn ich wusste, ich musste schlafen. Die letzten 2 Nächte schlief ich nicht mehr wie insgesamt 7h und morgen würde ich bereits 4.30 aufstehen müssen um meinen Flug 2h später zu bekommen. Und dann endlich, endlich wurde es schwarz und warm um mich herum.

Thursday the 10th of July: Hahndorf the german town

21Juli2014

Nach einem äußerst kurzen Flug landete ich als Zwischenstation in Adelaide, wo ich über 7h Aufenthalt hatte, bis zu meinem nächsten Flug. Etwas Plan- und Ziellos stieg ich aus dem Flieger. Direkt in der Eingangshalle gab es ein meiner so beliebten Informationsschalter, zu dem ich ging und meine Lage erklärte. Und die Frau dachte mit! Sie fragte mich nach meiner Nationalität und erzählte mir von Hahndorf, nachdem ich ihr antwortete. Meine Augen funkelten. Schon lange hatte ich von diesem Örtchen gehört, aber befürchtet es nie sehen zu können, da kein längerer Aufenthalt in Adelaide mehr geplant war. Um so glücklicher war ich also, als sie mir erzählte, dass ich es zeitlich locker schaffen würde, dem Dorf einen Besuch abzustatten.
Wenn von Hahndorf die Rede ist handelt es sich tatsächlich um ein deutsches Dörfchen in der Umgebung von Adelaide. 1839 siedelten sich hier um die 40 Hamburger an, die dieses Örtchen gründeten. Das Dorf bestand aus alten deutschen Gebäuden, und hatte deutsche Geschichte, sowie teils Leute die der Sprache noch mächtig waren. Unbedingt wollte ich dahin. Die Frau erklärte mir welche Busse ich nehmen musste, wo es hinginge und was die Tageskarte kostete und schon machte ich mich auf den Weg. Zu erst nahm ich den T1 bis zur Inner City und wechselte dann in die 840a bis nach Hahndorf, wo ich 1,5 Studen später endlich ankam. Es war ein niedliches Dörfchen und die Originalhäuser tatsächlich typisch deutsch. Bereits als ich an dem ersten Biergarten vorbei lief hörte ich die schreckliche Erzgebirgische Musik, die wohl kaum die Einwohner verstanden. Mein erstes Ziel war, natürlich, das Infocenter, was mich zu aller erst zum kleinen Museum weiterleitete. Dort erfuhr ich einiges über die Besiedlung und Geschichte des Plätzchens. Im Anschluss ging ich zum Lunch in die Stube und genoss mein Kartoffelbrei mit Sauerkraut und angebratenen Pilzen. Zu voll war ich, um mir hätte einen Apfelstrudel bestellen zu können. Danach sah ich mir die Kirche an, das Denkmal und ging in ein paar Geschäfte die deutschen Schnick-Schnack verkauften. Und das wars auch fast wieder schon. Gegen 3 nahm ich den Bus zurück zur Stadt und war 2h später wieder am Airport. Langsam holte mich die Müdigkeit ein und ich nickte immer wieder ein, hatte aber noch 2 weitere Stunden bis zum Flug. Nach einer leckeren weißen Schokolade gings dann endlich in den Flieger, nach Port Lincoln, dass nicht sonderlich groß war und es nur eine einzige Fluglinie von PLO nach ADL und wieder zurück gab. Erst nach 9pm kam ich an und hatte gar keine Probleme den Fahrer des Shuttlebusses anzutreffen. Im Auto lernte ich dann direkt den Iren und den Engländer kennen, die ebenfalls mit mir im Hostel einchecken würden. Wir kamen zusammen in ein Zimmer und es war besser als gedacht. Kühlschrank, Microwelle, großes Bad, sogar Badewanne, Fön, alles vorhanden, wunderbar. Dann kamen auch die anderen des Zimmers herein und ich stellte fest, dass ich das einzige Mädchen zusammen mit 5 Jungs war. Doch das war nicht meine Sorge, eher, ob ich heute Nacht die einzige Person sein würde, die zu laut schnarcht. Auf jeden Fall war es kurz vor 11 und die Tour würde schon 6am beginnen. Ich fiel regelrecht ins Bett, sagte noch kurz zu allen hallo und schon schlief ich ein.

Wednesday the 9th of July: Last day in Perth

21Juli2014

Ich schlief eine Weile in den Tag hinein, ging ins Fitti, Frühstückte, kaufte fürs Abendessen ein und starrte aller Minuten aufs Handy. Er hatte noch nicht geschrieben. Ich wurde immer trauriger und war eher enttäuscht über mich selbst mich schon wieder und vor allem so schnell auf jemanden fixiert zu haben. Wieso schreibt er denn nicht? Es lief doch so gut und heute wollte er mich in das vegane Local in Fremantle ausführen. Und mit der Dämmerung wurde ich zunehmender unruhig bis ich es wieder nicht aushielt und ihm eine Nachricht schrieb, so wie ich eben war. Es dauerte keine 2 Sekunden eh ich mich über mich selbst ärgerte aber keine 2 weiteren eh er mir antwortete. Mein Atem stockte. Er entschuldigte sich, sich noch nicht gemeldet zu haben, und meinte mich heute sehr gerne sehen zu wollen. Er fragte, ob er nicht für mich zu Hause kochen solle, da er vergaß, dass sein Licht am Auto nicht funktionierte und er wegen der Polizei nicht mehr fahren wollte. „Aber 3am muss ich wieder am Hostel sein, um den Shuttlebus zum Flughafen zu bekommen.“ Schrieb ich, etwas traurig. Dass sei kein Problem meinte er. Natürlich sagte ich zu und während er für das Dinner einkaufte besorgte ich den Wein. Dann rief er an. Ich war nervös. Was würde jetzt kommen?
Ich ging ran. Er fragte mich, ob ich nicht schon jetzt meine ganzen Sachen packen sollte und er mich einfach kurz vor meinem Flug zum Flughafen fahren sollte. „Zu dieser Zeit kontrolliert eh keine Polizei.“ „Bist du sicher?“ fragte ich ihn. „Ich bin ein typischer Backpacker und habe einen riesigen Backpack mit mir.“ „Natürlich!“ Lachte er in den Hörer und meinte noch, dass er sich auf mich freute. Na gut. Ich packte alle meine Sachen zusammen und verabschiedete mich eher als geplant vom Hostel, bestellte mir ein Taxi und fuhr zu ihm und seinen 2 Mitbewohnerin nach Hause in das einladende Haus. Er begrüßte mich herzlich und nahm mir meine Sachen ab. Dann lernte ich Wellie, die Hauskatze kenne, welche eigentlich eine Streunerkatze war, die sie aufnahmen, woher er auch seinen Namen erhielt. Wellie für Welcome. Wie süß. Sofort schmuste Wellie mit mir und ich war froh endlich wieder eine Katze um mich herum zu haben, sogar auf die Toilette folgte er mir und Alex meinte, dass er mich ziemlich mögen müsse. Zum Dinner sollte es Mexikanisch geben. Wir machten Tappas und stellten Guakamole und alle Füllungen selbst, frisch und vor allem Vegan her. Seine Mutter war Chefköchin und ihm sah man die Freude an dieser Tätigkeit auch an. Die Hauptfüllung (dessen Namen ich leider vergaß) war ein Sojaprodukt, dass eher aussah wie Gehirn und welches ich noch nicht kannte. Umso überraschter war ich beim Dinner wie gut es schmeckte und es hatte unglaublich viel Spaß gemacht mit ihm zu kochen. Nach dem Essen sahen wir uns in der Stube „My Girl“ an als er mich fragte, ob ich ein Date mit ihm haben möchte. Ich sah ihn verwundert an und er ging zum Kühlschrank um ein paar Früchte als Dessert zu holen. „Dates“ sagte er, die ich auch nicht kannte. Es schmeckte herrlich. „Von welchem Baum kommen die?“ fragte ich. „Von dem Date-Baum“ antwortete er.
Der Abend war wunderschön und wir lagen uns in den Armen. Früh um 5.30 würde er mich zum Airport fahren, was gar nicht mehr so lange hin war. Die ganze Nacht redeten wir und mir war klar, wenn es irgendwo ein männliches Gegenstück von mir auf der Welt gab, nur in noch besserer Ausführung, dann war er es. Ich sah ihn zwar erst zum 2. Mal in meinen Leben, doch fühlte mich, als ob ich ihn schon mein ganzes kennen würde.
Wir schliefen ein, eh bereits 2,5 stunden später der Wecker klingelte. Es war 5am, ich durfte noch schnell die Dusche benutzen und dann gings los. „Wow“ sagte er „du siehst auch ungeschminkt wunderschön aus.“ Und ich wäre am Liebsten nicht ins Auto gestiegen. Die halb Stündige Fahrt ging viel zu schnell um und die Verabschiedung viel schwer aus. Und so wie ich das Gefühl hatte nicht nur für mich. Er versprach mir, dass wir uns irgend wann einmal, wenn er nächstes Jahr wieder nach Europa kommen würde, uns wieder sehen und er mich in Deutschland besuchen kommen würde.
Würde er das wirklich? Auf jeden Fall wollten wir in Kontakt bleiben, aber ich doch eigentlich gerade so gar nicht gehen. Dann war es soweit und wir winkten uns noch ein letztes Mal zu, eh ich den Terminal betrat. Was hatte mir dieser Mann nur angetan, dass ich mich so schnell und so heftig in ihn verschaut hatte? War ich schon wieder so voreilig und zu naiv? Er war der Wahnsinn! Noch am Terminal bekam ich eine SMS von ihm, dass er eine unglaubliche Zeit mit mir hatte und ich jemand Besonderes sei. Ach Gott war das traurig.
Müde stieg ich in den Flieger, sah aus dem Fenster und konnte dennoch keinen Schaf finden, da meine Gedanken kreisten.

Tuesday the 8th of July: This was ment to be!

21Juli2014

Ich schlief etwas länger als üblich und ließ das Fitti diesen Morgen einmal aus. Hm, das Wetter war immer noch schlecht und ich hatte nichts geplant. Würde sich der Typ von gestern Abend melden? Wahrscheinlich nicht, er war sowieso ziemlich betrunken. Nachdem ich mir Zeit im Bad ließ machte ich mich noch einmal in die Stadt auf und sah mir das Englische Viertel an, ging etwas Shoppen und schlenderte durch die sauberen Gassen. Dann kam sie, die Nachricht von Alex, ob ich ihn heute noch sehen wollte. Ich wusste nicht recht. Was sollte das auch für einen Sinn haben. Noch einmal meinte ich, dass ich sowieso in 2 Tagen abreise, woran er sich sogar erinnerte. Ich fühlte mich geschmeichelt und dachte, dass es besser sei als nichts zu tun zu haben und sagte auf ein Abendessen zu. Was war schließlich schon dabei.
Zurück im Hostel gönnte ich mir ein langes Workout im Gym und machte mich für das Abendessen fertig, als mich Alex mit dem Taxi 6.30 vom Hostel abholte. Bereits im Auto fehlte es nicht an Gesprächsstoff und wir verstanden uns auf Anhieb prächtig. Der ursprüngliche Melbourner und jetzt in Perth wohnende Local sah gut aus und suchte den Wein aus. Er bestand darauf zu bezahlen. Dann gings ins Local und wir unterhielten uns eine ganze Weile und schickten den Kellner jedes Mal wieder weg, da wir noch keine Gelegenheit fanden auf die Karte zu schauen. Der im Versicherungswesen arbeitende Profi-Pokerspieler erzählte mir aus seinem Leben und über seine Jahre die er durch Europa reiste, aber fragte auch viel nach mir. Wir beide schienen das Reisen zu lieben. Dann fragte ich mich doch allerdings wie alt er war. Vom Aussehen schätze ich ihn auf 23, nach unseren Unterhaltungen auf 26, doch geschockt war ich als er mir gestand, dass er bereits 29 sei. Nachdem der Kellner wieder fragte, versprachen wir ihn uns die Karte anzusehen und Alex meinte, dass er hörte, dass Carbonare hier ziemlich gut sein sollte. „Aha“ meinte ich lediglich bis er seinen Satz vorsetzte mit „Ich habe sie aber selbst nicht probiert. Ich bin Vegetarier, eigentlich Veganer.“ Bähm, das haute mich um. „Was?“ Stieß ich hervor. „Ich bin auch Vegetarier!“ Und sofort lächelten wir uns an und hatten für die nächste halbe Stunde schon wieder vergessen auf die Karte zu sehen, ganz versunken in unser beider Lieblingsthema. Es stellte sich heraus, dass er ebenfalls meinen favorisierten Veganerfilm gesehen hatte, welcher ihn tatsächlich vor ein paar Jahren komplett umpolte und im Allgemeinen waren wir in bisher allen Dingen gleicher Meinung. Nachdem wir endlich Essen bestellten wurden unsere Gespräche aber nicht weniger, er war ebenfalls Agnostiker ein Katzenmensch, baute letzte Woche sogar einen Unfall, weil er eine nicht überfahren wollte und um mich wahr es geschehen. Doch eigentlich hatte er mich schon bei „Vegetarier“ überzeugt. Wir verbrachten den ganzen Abend zusammen und taten nichts anderes als zu reden bis schon langsam die Sonne wieder aufging. Er fragte noch einmal nach, wann ich denn nun genau Perh verlassen würde. Ich sagte, dass es ziemlich früh den nächsten Morgen sei und er fragte mich nach einem 2. Date. Mein Herz klopfte als ich zusagte.

The next days in Perth:

21Juli2014

Der Morgen begann so wie auch die darauf folgenden beginnen sollten. Das aller erste was ich tat, war ins Fitnessstudio zu gehen, dann gabs eine Dusche und ein kalorienarmes Frühstück. Gegen Mittagszeit traf ich mich dann mit Dominik, meinem Bekannten aus Melbourne, der mich mit seinem Hausvan vom Hostel abholte. Wir fuhren hoch zum Kings Park, von dem wir eine unglaubliche Sicht auf ganz Perth hatten. Er hatte bereits alles für ein Pick Nick eingekauft und so legten wir uns mit einer Decke auf das gemähte Gras. Das Wetter war warm, nur der Wind teils etwas frisch. Es war lieb von ihm alles zu besorgen und mir viel ein, warum ich ihn so gerne hatte. Hätte ich mehr Zeit mit ihm würde er sicher einer meiner besten Freunde werden. Stunden unterhielten wir uns über Gott und die Welt und es tat gut einfach mal nur zu reden. Wir hatten ziemlich gleiche Ansichten über alles Mögliche, doch vor allem was das Reisen betraf. Ich dachte an meine letzten 3 Wochen und war glücklich darüber, mit jemanden so auf einer Wellenlänge zu sein. Wir redeten von unseren Träumen, unseren Erfahrungen und unseren Wünschen und die Stunden vergingen wie im Fluge. Dann schlug das Wetter um und es drohte zu regnen. Schnell gings zurück zum Van, und was nun? Ich lud ihn als Dankeschön noch auf eine Chai Latte ein und wir im Anschluss gings zusammen einkaufen. Da er auf dem Campingplatz wohnte, hatten wir nicht den ganzen Tag und er musste wieder zurück, doch wir verabredeten uns auf ein baldiges Wiedersehen.
Für mich gings im Regen zurück zum Hostel und ich hatte super Laune, fand es unglaublich am anderen Ende der Welt in einer fremden Stadt allein zurecht zu kommen und sogar Leute zu treffen, die ich kannte. Im Hostel gings zum 2. Mal heute ins Fiti, dann gabs Haloumi Abendessen und wieder im Aufenthaltsraum sitzend, um eigentlich meinen Blog zu schreiben, unterhielt ich mich stattdessen nur mit den Jungs, bis es für mich wieder zu spät war, da mein Körper noch an einen anderen Schlafrythmus gewohnt war.

Der nächste Morgen begann wie immer in der Frühe und trotz, dass ich noch keinen Plan für den Tag hatte, konnte ich es kaum erwarten in ihn zu starten. Das Wetter strahlte wieder von seiner besseren Seite und im Fiti powerte ich mich aus, bevor es erst richtig für mich los ging. Ich entschloss mich zu Harriossons Island zu laufen, eine wirklich winzige Insel in der Mitte des Swan Rivers, welcher die beiden Seiten von Perth trennte. Unglaublicher Weise sollten auf dieser winzigen Insel, welche man nur über die Autobrücke erreichen konnte, Kängurus leben, wovon ich mich selbst überzeugen wollte. Der Walk war länger als gedacht, doch immerhin bekam ich etwas von der Stadt zu sehen. Ich fühlte mich keines Wegs allein, und genoss komplett, die Freiheit zu haben das zu tun was ich wollte. Auf der Insel angekommen hatte man eine wunderschöne Sicht auf die Stadt, welche vor den Füßen des großen Flusses lag und ich war froh, diesen Anblick nicht zu versäumen. Einmal um die schmale Insel herum, sah ich noch kein einziges natives Australientier und dachte schon, dass es sich dabei um eine Touri-Masche handeln würde, bis ich den Wanderweg verließ und im braunen Gras, die gesuchten Tiere, gut getarnt mit der Umgebung, fande. Und wie zahm sie waren. Nicht nur, dass ich es schaffte gute Fotos zu machen, lies sich eins sogar streicheln, bis es nach einer kurzen Weile genug hatte. Ich war absolut begeistert!
Zurück im Hostel angekommen hatte ich ein Wenig meine weiteren Reise zu organisieren und buchte ein paar Flüge. In ein paar Tagen schon würde ich in Port Lincoln sein und mit Weißen Haien tauchen, es fühlte sich an wie ein Traum. Dennoch war dieser Trip auch eine große Überwindung, da allein der Ausflug $500 kostete und mich die Flüge eine weitere halbe Tausend kosteten… Ich war bis zum Schluss unsicher, aber dieses Erlebnis war einfach schon ein Kindheitstraum. Seitdem ich denken konnte, waren Weiße Haie meine Lieblingstiere und mein Traumberuf schon immer Meeresbiologe um für die Schützung der Meeresgiganten zu arbeiten. Ich buchte es.
Weiterhin lernte ich Mike, den Niederländer kennen, der mir auf anhieb sympathisch war. Wir tranken auf dem Balkon Tee und unterhielten uns mit seinem Freund. Für später sagte er mir fest zu, dass ich ihn im Fitnessstudio sehen würde, ich war gespannt.
Und tatsächlich, ich traf ihn später wirklich an. Er war schon ein komischer Kautz und ich musste über ihn schmunzeln. Was machte er da nur die ganze Zeit? Dennoch, er war ein lieber Kerl und lud mich für später mit seinen Freunden an die Bar ein.
Am Abend lernte ich dann ein paar andere Leute aus dem Hostel kennen und verstand mich gut mit ihnen. Mike stellte sich als eine unglaubliche und nette Persönlichkeit heraus, die eine unglaubliche soziale Kompetenz hatte. Auf jede Person ging er unterschiedlich und individuell ein. Sein Alter von 26 Jahren sah man ihm nicht an, aber hätte es auch von seinem Verhalten nicht erraten können. ER war ein lebensfroher Mensch und sah bereiste die halbe Welt und hatte Hobbys von Sprachen lernen, über Surflehrer in den Niederlanden, Berge zu besteigen und klettern zu gehen und war alles in allem so vielfältig wie seine Leidenschaften. Ich mochte ihn.
Den Abend ließen wir alle ruhig mit ein paar Bier ausklingen, eh es wieder nicht alt zu spät ins Bett ging und es mir vor lauter Aufregung einmal schwer viel einzuschlafen. Ich mochte mein Leben gerade sehr.

Auch der nächste Tag versprach nur Gutes, was man allerdings nicht vom Wetter sagen konnte, welches von Tag zu Tag kälter und verregneter wurde.
Am Morgen traf ich Mike im Fitnessstudio, danach wollte der Verrückte in den 12 Grad kalten Pool. Ich konnte mich einfach nicht überwinden, da schon meine Finger zu Eisblöcken erstarrten, wenn ich sie ins Wasser streckte. Er sprang hinein und verbrachte 12 Minuten still stehend darin, um seine Muskeln zu entspannen.
Für heute verabredete ich mich wieder mit Dominik, mit dem ich in ein anderes Stadtviertel, außerhalt von Perth fahren wollte. Frementale, war so ziemlich das St. Kilda von Melbourne, oder die Neustadt von Dresden, ziemlich Szenemäßig, viele unterschiedliche Charaktere und tolle Bars und Lokale. Auf dem Weg zur U-Bahnstation lief ich schonwieder Mike und 2 Mädchen aus meinem Zimmer aus dem Weg, die auch die Bahn in die selbe Richtung, zu einem Strand nehmen wollten (es regnete in Strömen heute.) Wir kauften die Tickets und suchten nach unserem Gleis und ich war stolz und zufrieden mit mir all solche Dinge in einer fremden Stadt in einer fremden Sprache hinzubekommen. Die Truppe stieg eher aus und ich traf Dominik an der Station von Frementle. Heute ging es zum großen Wochenendmarkt und wir schländerten die vollen Gassen zwischen den Ständen entlang. Neben den traditionellen Fressbuden, den einheimischen Opalständen und Schmuckgeschäften, neben den Souvenirständen und den Shows die veranstaltet wurden, fühlten wir uns beide sehr wohl und ich begann dieses Viertel lieb zu gewinnen. Danach wollten wir noch ins weltbekannte und unter Weltkulturerbe stehende Gefängnis gehen, was damals die Sträflinge beherbergte, die nach Australien verschippert wurden. Allerdings war uns der Eintritt viel zu teuer und so viel diese Tour aus. Bei einer heißen Schokolade wirkten wir dem kalten Wetter entgegen, ehe wir uns am Nachmittag schon wieder voneinander verabschiedeten und ich hoffte Dominik die Tage noch einmal wiederzusehen. Und obwohl er plante noch ein 2. Jahr in Down Under zu verbringen nahmen wir uns schon fest vor zurück in Deutschland einmal eine große Motorradtour zu machen und schon jetzt konnte ich es kaum erwarten. (Bevor ich nach Australien kam kannte ich keine einzige Person in meinem Alter die ebenfalls einen Führerschein hatte, jetzt schon ein Paar, und mir wurde bewusst wie unheimlich wichtig Australien nicht nur für mich selbst, sondern auch wegen den Menschen die ich hier kennen gelernt hatte, war.)
Wieder im Hostel verabredete ich mich mit Mike zu einer weiteren Fitnessstudio-Partie. Heute beschloss er mich besonders zu quälen und steckte all seine Motivation darin eine Workout-Sassion mit mir zu machen. Und nun verstand ich was er davor immer gemacht hatte. Alles was wir taten war arbeiten mit dem eigenen Körper und Körpergewicht, sowie Balance und es war unglaublich hart und anspruchsvoll. Ich glaube meinen Körper noch nie so beansprucht zu haben, doch es machte unwahrscheinlich viel Spaß und ich war beeindruckt, dass er sich auch damit so gut auskannte und einen Plan zu haben schien. Über 2 Stunden verbrachten wir im Gym, eh ich völlig ausgelaugt war. Danach gab er mir noch seine wasserfeste Uhr, damit ich auch ja volle 3 Minuten unter eiskalten Wasser in der Dusche stande.
Im Anschluss gings wieder auf ein paar Bier runter in die Hostelbar, wo ich mit ihm, den Mädchen aus meinem Zimmer und ein paar anderen Leuten aus dem Hostel anstieß und ich freute mich darüber die unglaubliche Erfahrung zu machen, dass man als Backpacker, auch wenn man alleine reiste, nie alleine war.

Den darauf folgenden Tag musste ich das Zimmer wechseln, weshalb nicht besonders viel angesagt war. Auch lud das Wetter nicht gerade ein einen Fuß vor die Tür zu setzten. 10am musste ich mein Zimmer verlassen und erst 13.00 Uhr konnte ich in mein neues ziehen. Die Stunden verbrachte ich damit mich im Fitti auszupowern und einmal vor dem Laptop zu sitzen, den letzten Flug zu buchen und meinen Blogeintrag fortzusetzten. Später gings mit Mike noch eine Runde in die Stadt, Abendessen, Fitti und irgendwie war der Tag schneller rum als gedacht. Es war gleichzeitig der letzte für Mike hier, der morgen früh einen Flieger nehmen würde, um im Outback zu arbeiten. Irgendwie war das ein Wenig schade, da ich in ihm einen Freund gefunden hatte. Am Abend ging es also noch einmal auf ihn anstoßen und zur Feier des Tages noch einmal aus in einen Club. Ein paar Leute aus dem Hostel trafen wir direkt dort und freuten uns auf eine ganze Stunde, eh der Club bereits Mitternacht schließen würde. Hier lernte ich noch eine weitere Besonderheit über Mike kennen, er konnte unglaublich gut tanzen, besser als ich jemals hab jemanden life tanzen sehen in meinem ganzen Leben (Pop-Locking).
Bisher nichts besonders, sah ich auf der Tanzfläche diesen einen Typen, der mir sofort gefiel, aber ich verwendete keine weiteren Gedanken daran, da dies nicht der Grund war warum ich aus war, und sowieso nur noch ein paar Tage hier verbringen würde.
Nachdem die Veranstalter gegen Mitternacht schließen wollten, kam auf einmal der gut aussehende Mann, von dem ich gar nicht wusste, dass er mich überhaupt wahrgenommen hatte, zu mir herüber und stellte sich vor. Er fragte, ob ich mit ihm ausgehen wollte, ich lehnte ab, da ich ja mir meinen Bekannten aus dem Hostel hier war. Er fragte, ob wir morgen ausgehen wollten und ich sagte ehrlicher Weise, dass ich nur noch ein paar Tage in der Stadt verbringen würde. „Woher kommst du denn?“ Fragte er und ich sagte, aus Deutschland. Er schien sich darüber zu freuen und erzählte mir, dass er einen deutschen Backpackerfreund habe und falls ich es mir anders überlegen sollte, er mich gerne treffen würde und so tauschten wir fb-Daten aus.
Dann gings zurück zum Hostel und ich verabschiedete mich von Mike, der 5am schon wieder aufstehen mussten. Wir drückten uns und gaben uns die Hand auf ein Wiedersehen in Europa, dann ging ich zu Bett.

Thursday 3rd of July: Perth, here I am

14Juli2014

Meine innere Uhr wollte mich schon halb 7 aus dem Bett holen, aber ich wollte noch ein Wenig schlafen und so blieb ich mal länger liegen. Den Morgen begann ich direkt voller Tatenkraft und ging direkt nach dem Aufstehen ins Hostel eigene Fitnessstudio. Danach wusch ich meine Wäsche und genoss den Luxus einer Dusche.
Schon komisch, dachte ich mir, wie mich Australien verändert hatte. An meinem ersten Tag im Hostel in Sydney war ich schockiert über hygienischen Zustände, vor allem die der sanitären Einrichtungen und nach meinen 2,5 Wöchigen Road-Trip war ich tatsächlich stolz auf mich nicht einmal in den Busch kacken gewesen zu sein…
Danach wurde die Wäsche gemacht und die Stadt erkundet. Ich ging zum Infocenter und ließ mir die besten Spots zeigen, schlenderte durch die Straßen und war mehr als Dankbar über Zivilisation.
Ich genoss die Zeit, die ich einmal für mich ganz allein, ohne jemand anderes hatte und ging in ein paar Geschäfte, kaufte mir eine Chai Latte, ging zu Woolworth, um Lebensmittel zu besorgen und gegen Dämmerung zurück zum Hostel. Dann gab es Dinner und später gings direkt noch einmal ins Gym und Kalorien wurden aus meiner Ernährung gestrichen. Der Tag ging schnell rum und ich fand ihn gut gefüllt zu haben. In meine warmen Schlafsachen gehüllt setzte ich mich in einen der gemütlichen Sessel des Aufenthaltsraumes und begann meinen Blog zu schreiben, wozu ich gar nicht lange kam, da ich bereits die ersten 2 Jungs kennen lernte. Ich liebte das Hostel- und das Backpackerleben und unterhielt mich noch eine ganze Weile eh ich viel zu müde war und gegen 11pm ins Bett fiel. Morgen würde ich mich mit Dominik, einem deutschen Bekannten aus Melbourne treffen und konnte es kaum erwarten, einen neuen Tag, meinen Tag zu beginnen.

Day 17: the last day

14Juli2014

Mike schlief noch als ich aufwachte und so ging ich ins Bad und nahm mir die Zeit mein Handy etwas aufladen zu lassen. Als ich wiederkam, war er bereits am Telefonieren und hatte eine lange Diskussion und schien nur herumzubrüllen, so wie man es eben von ihm kannte. Nicht dass er einmal den anderen an der Strippe zu Wort kommen ließ der uns hätte vielleicht helfen können, nein Mike machte keine Pause mit seinen Beschwerden und steigerte sich in seine halbe Lebensgeschichte hinein. Nach dem Gespräch das die Gegenpartei schlicht beendete, fragte ich ihn, was Wicked gesagt hätte. „Das weißt du doch.“ Blaffte er mich an. Ich versuchte es noch einmal, um eine Konversation zu beginnen. Dann ging es richtig los. Und glaubt mir so schlimm war es noch nie. Er brüllte mich richtig an. Dass ich zu nichts zu gebrauchen wäre, der größte Looser sei und dass dieser Trip der größte Fehler war. Er stand ja schließlich nur auf den Papieren. Und ich sei das Schlimmste überhaupt. Er hörte gar nicht mehr auf mir seine Spucke ins Gesicht zu schleudern und rastete komplett aus. Ich brüllte zurück, dass ich genauso am Telefon hing, trotz meines Englischs und dass ich ja noch hier sei und dass das nicht mein Fehler war. Doch es half nichts und er wurde noch lauter. „Du musst ein ziemlich einsamer Mensch sein“ sagte ich „und es tut mir leid für deine Familie die dich zwangsweise ertragen muss!“ Dann stieg ich aus, es war zu viel. Er stürmte hinterher und brüllte mich weiter auf offenem Platz an, es war mehr als peinlich. Aber der Hauptgrund dieses Mal war, dass er mein Ladekabel wollte und brauchte. Ich sagte etwas kindisch nein. „Erst wenn du dich bei mir entschuldigst“ was ihn Anlass gab auf den Tisch zu hauen und mich erst richtig fertig zu machen. Das ging 10 Minuten so und ich schaltete auf stur, mir nicht anmerken lassend dass ich sowohl eingeschüchtert als auch unwahrscheinlich aufgebracht war. Nach einer Weile schaffte er es immerhin in einem normalen Tonfall mit mir zu reden und so gab ich ihm das Kabel, damit er Wicked noch einmal nutzloser Weise anrufen konnte. Ich war fertig mit den Nerven. Nicht einmal mit irgendeinem Ex-Freund hatte ich mich je in der Wolle oder wurde so angebrüllt und zur Sau gemacht wie von ihm. Für einen Grund den ich nicht einmal verstand. Während Mike sich Zeit im Bad ließ war mir klar, dass diese Sache für mich durch war, ich noch alles Kommende regeln würde, aber diesen Menschen definitiv nie wieder in meinem Leben sehen wollte. Ich sah nach dem alten Pärchen, dass uns nach Perth fahren würde uns sie brauchten noch eine Weile. In der Zwischenzeit hatte es angefangen in Strömen zu regnen und ich schaute dem Boden zu wie er langsam kein Wasser mehr fassen konnte. Mike kam aus der Dusche. Er lächelte mich an. Er lächelte mich an? Er stupste mich und wollte mich umarmen. Ich schob ihn weg und sah ihn fassungslos an. „Was soll das?!“ fragte ich grob. Und er entschuldigte sich. „Du weißt doch dass das alles nicht so gemeint war.“ Hatte er zu seiner Verteidigung zu sagen. Und ich wusste beim besten Willen nicht, ob es für ihn bereits zu spät war eine Psychotherapie zu beginnen. „Im Affekt sagt man eben Dinge die man nicht so meint“ „ja“ Stimmte ich ihm zu. „Aber nicht so wie du, und nicht in so einer Art und Weise wie du! Nicht so verletztend, nicht so direkt und nicht für gar keinen Grund.“ Er sah mich verständnislos an. Ich sagte ihm, dass ich mit ihm in Perth noch alles regeln würde, doch dass die Sache danach ein für alle Mal geklärt sei. Ich bereute es, dass ich mich in Monkey Mia noch einmal weichklopfen lassen hatte. Von da ab war er der liebste Mensch in Person doch ich ignorierte ihn einfach, ich wusste absolut nicht wie ich mit ihm umgehen sollte. Wir bekamen noch einmal das ok von der Vermietung das Auto hier stehen zu lassen und dann kam auch endlich das Ehepaar und sackte uns ein. Im Auto hatten wir wenigstens die Möglichkeit uns mit ihnen zu unterhalten. Mike versuchte meine Hand zu nehmen. Ich erschrak mich und zog sie weg doch würdigte ihn keines Blickes. „In Perth brauche ich dein Ladekabel.“ Sagte er. „Ich brauche es auch, mein Akku ist leer.“ Erwiederte ich. „JA aber meins ist ja wohl wichtiger!“ fuhr er mich an. „Wieso?“ fragte ich, denn immerhin waren wir doch gerade auf dem Weg zur Vermietung. „JA für mein eigenes Business.“ Erwiderte er arrogant und mir war es herzlichst egal. Immerhin suchte ich im Internet noch die Adresse heraus zu der wir mussten und die Öffnungszeiten, dann war mein Handy tot. „Na und wo sollte es bei euch noch hingehen?“ Unterbrach mich die Frau von meinen Mordgedanken. Ich erzählte ihr von unserer Tour und dass wir noch zu den Pinnacles fahren wollten, was jetzt leider nicht mehr möglich war. Dabei handelte es sich um Sandgesteine, die als Säulen einfach so bis zu 4m Höhe aus dem Boden ragten. In dieser Form einzigartig auf der ganzen Welt und definitiv einen Blick auf mein fb oder im Internet Wert. Auf jeden Fall war das Pärchen so unglaublich lieb, dass sie uns ganz einfach anboten einen kleinen Abstecher in dem Nationalpark zu machen. Es liege sowieso direkt am Highway, sie hatten keinen Zeitdruck und waren auch schon eine Weile nicht mehr dort. Wow! Die Australier! Ich war unglaublich froh darüber und schon waren wir auch da. Die Pinnacels waren beeindruckend und ich machte einige Fotos. Natürlich konnten wir nicht lange hier verbringen und machten nur einen kleinen Abstecher. Dennoch war ich erneut so positiv erstaunt über die Freundlichkeit der Bewohner dieses Landes. Nahe ihres Vorrtes angekommen ließen sie uns dann an einer Bahnstation raus und wollten nicht einmal Geld dafür haben. Wie unglaublich lieb! Mit Mike herrschte immer noch Funkstille und ich war genervt wieder mit ihm allein sein zu müssen. Der nächste Zug in Richtung Inner City kam bald und wir stiegen Station Perth aus. Er rannte hinaus ohne überhaupt die leiseste Ahnung zu haben wohin es überhaupt gehen sollte und mir fiel dazu überhaupt nichts mehr ein. Ich stellte mich beim Infocenter an, um nach dem Weg zur recherchierten Adresse zu fragen. Er sah mich verdutzt an und erinnerte mich in diesem Moment stark an einen Affen. Die gute Dame an der Rezeption beschrieb uns den Weg und die Buslinie die wir nehmen mussten und ich fragte nach der Zeit. 10 vor 4 könnten wir dort sein. Ich sah Mike an und fragte, ob sich das wirklich lohnen würde. „Warum?“ blaffte er mich direkt an. „Na weil die 4pm schließen“ erwiderte ich altklug. „Aso?“ sagte er, denn das hatte er natürlich auch nicht gewusst. Ich wusste nicht was es bringen sollte kurz vor Schluss noch eine hiesige Diskussion zu starten zumal sie uns sowieso nicht weiter helfen konnten, weil dazu nur der ominöse Manager berechtigt war, aber wir fuhren trotzdem. An der Haltestelle angekommen legte Mike im Tempo zu und ich hatte arge Probleme mitzuhalten. Wieder eine Sache warum er mich anfahren konnte. „Ich habe meine Krakse auf den Rücken, das sind über 20 Kilo!“ antwortete ich schnaufend und dachte mir nur das Ende des Satzes „du Arsch“. In der Station angekommen saß natürlich eine Backpackerin an der Rezeption, der es zwar leid tat aber sie sonst auch nichts machen konnte. Und Mike? Holte aus und holte aus und alle im Raum waren offensichtlich genervt. Wir konnten nur dem Manager eine E-Mail senden sagte sie uns bereits vor guten 10 Minuten und ich befürchtete Mike würde zu dem Punkt kommen an dem seine Nabelschnur durchtrennt wurde. Ich war müde, wollte rechtzeitig in ein Hostel einchecken und den Tag nicht damit verschwänden seiner theatralischen Geschichte aufs Neue zu lauschen. „Bist du soweit?“ unterbrauch ich ihn und er musste natürlich wieder eins seiner abfälligen Kommentare über mich vor der Frau an der Rezeption machen. Das war eindeutig zu viel und ich sah nur noch rot. Das wars für mich! Ich bedankte mich bei der Frau, wünschte Mike alles Gute, nahm mein Gepäck und verlies, ohne mich umzusehen den Laden.
Ahhhh. War das ein befreiendes Gefühl! Hätte ich mich schlecht fühlen sollen? Keineswegs! Ich war froh diesen Menschen los zu sein und sah weniger als keinen Grund dafür mich anders zu verhalten. Ich war schon fast an der Haltestelle als ich es hinter mir rufen hörte „Liiiiiiisaaaaaaa“ … ohm. Ich rollte die Augen. Er kam mir hinterher geflitzt und tat völlig überrascht über meine Aktion. Er fragte was das sollte und ich versuchte ihm sachlich zu erklären, dass ich es keine Minute länger mit ihm aushielt. Er fragte, ob wir nicht noch einmal reden könnten. ER wollte nicht, dass wir so auseinander gingen und wollte noch einmal was Essen gehen ehe er sich direkt für heute Abend einen Flug zurück nach Sydney buchen würde…. Wofür er außerdem noch mein Ladekabel benötigte. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, wollte aber zu erst einmal in ein Hostel einchecken um sicher zu gehen, dass die Rezeption nicht schon geschlossen war. Er folgte mir. Nachdem ich in meinem Lieblingshostel nahe des CBD´s, dem YHA eincheckte , sah er mich erwartungsvoll an. Wir gingen in ein Café, er lud sein Handy auf und buchte noch für diese Nacht einen Flug. (Gott sei Dank!) Dann redeten wir. Wir gingen noch zu einem Veganen Local, dass wir im Internet fanden, da er mir etwas entgegen kommen wollte. Jenes war allerdings ein ziemlicher Reinfall. Ich schlug die Karte auf und alles was ich sah war Lamm, Huhn, Seefood, Ente, Schwein und so weiter. Ich verstand nicht recht und fragte die chinesische Kellnerin in dem Raum, der sich zwischen Local, Buchladen und Geschäft aufteilte. Sie erklärte mir in Bröckchenenglisch, dass das alles vegan sei. Ich verstand noch weniger. Das Essen bestand zum Großteil aus Tofu und wurde nur so angerichtet, dass es wie Fleisch aussah und schmeckte. Dieser Sinn leuchtete mir beim besten Willen nicht ein und ich bestellte mit der Bitte etwas zu bekommen, dass nicht wie Fleisch aussah und nicht wie welches schmeckte. Mike verstand mich nicht und wusste schon wieder alles besser. Auf jeden Fall war das Gröbste zwischen uns geklärt für mich dennoch nicht alles wieder gut. Er redete davon wie gern er mich hatte und dass er fande, dass es alles in allem ganz gut mit uns funktioniert hätte. Er redete davon, dass er sich sogar etwas mit mir vorstellen könnte und in diesem Moment war mir absolut klar, dass mir die Männerwelt absolut unklar war. Ich wechselte das Thema, dann gings zurück zum Hostel und nicht lange darauf kam auch schon sein Shuttlebus und einer kurze Umarmung trennte unsere Wege. So. Jetzt war er weg. Ich war froh. Und nun?
Trotzdem ein komisches Gefühl die letzten 17 Tage jemanden 24h um sich herum zu haben, der jetzt einfach so weg war, trotzdem wusste ich tief in meinem Innersten, dass ich diesen Menschen nicht vermissen würde.
Ich richtete mich in meinem Zimmer ein, hatte eine laaange Dusche, lernte meine Zimmergenossinnen kennen und kuschelte mich in mein Bett und fiel schnell und sanft ins Schlummerland der Träume.

Day 16: It´s going to be a long day

14Juli2014

Am Morgen war ich fest davon überzeugt, dass wir bald Hilfe bekommen würden und ich bereits heut Abend in Perth sein würde, endlich nicht mehr auf so engen Raum mit Mike. Wir hingen den ganzen Morgen an der Leitung und es war ein schreckliches hin und her. Wicked sagte wir sollen den Pannendienst anrufen, und jener fühlte sich nicht zuständig und sagte wir haben das mit der Autovermietung zu klären. Keiner konnte oder wollte uns helfen, es war ein absolutes Chaos. In der Wicked-Company, welche gleichzeitig die größte Australiens war, gab es lediglich nur den Manager der erlaubt sei, eine Entscheidung zu treffen, uns abschleppen zu lassen. Und dieser war wohl bis Mittag in einem Meeting. Danach wurden wir nicht zurück gerufen wie eigentlich gesagt und auf einmal war jener in einem Flugzeug und wohl auch nicht bis morgen zu erreichen. Und niemand anderes konnte diese Entscheidung treffen uns abzuschleppen oder uns einen neuen Van zu besorgen. Kundenservice war absolut kein Thema in diesem Verein. Und Mike und ich hatten schon wieder einen schlimmen Streit, da dieser nicht mit der Situation dealen konnte und es gnadenlos an mir ausließ. Ich wollte einfach nur noch weg. Aber das war auch gleichzeitig das was er befürchtete, dass ich ihn mit den ganzen Problemen stehen lassen würde. Er warf mir vor ich sei nicht interessiert. Da weile war ich bereits dabei das Auto zu putzen, packte meine Sachen, räumte den Müll raus und begann es sauber zu machen. Er sah nur meine Tasche und meinte, dass ich mich nur um mich scheren würde. Das war ziemlich verletzend.
Im Nachhinein entschuldigte er sich zwar dafür, aber ich wollte am liebsten allein sein. Zusammen gingen wir zu der nächsten Tankstelle, um etwas zu essen und sprachen nicht besonders viel miteinander. Danach verbrachte ich einige Zeit im Park während er bereits zum Campingplatz zurück lief. Wir konnten nichts anders als abwarten. Später mussten wir klären wie es weitergehen sollte. Keineswegs wollten wir hier noch eine ganze Woche verbringen bis dieser ominöse Manager mal zu erreichen war. Ein nettes Rentnerpärchen auf dem Platz, das von unserem Desaster etwas mitbekommen hatte bot uns freundlicherweise an, uns am nächsten Morgen nach Perth zu fahren, da sie dort wohnten. Wie nett das war. Doch zu erst mussten wir klären, was wir mit den Van machen sollten. Ein Mitarbeiter von Wicked meinte schon seit gestern dass wir das Auto einfach stehen lassen und den Bus nehmen sollten. (sie scherten sich wohl nicht besonders um ihr Eigen) obwohl wir ihm mehr als genug erklärten, dass es hier in dem kleinen Örtchen keinen Bus gab. Und obwohl wir den ganzen Tag am Hörer hingen hatte sich bis jetzt noch nichts Neues ergeben und wir waren wohl beide ziemlich enttäuscht und hatten andere Erwartungen diesen Morgen. Zurück gings zur Tankstelle, um noch etwas zu Abend zu essen und schon wieder war es dunkel. Der Tag hatte nichts gebracht und wir mussten bis morgen früh wissen wie es weitergehen sollte. Wir warteten noch auf ein schriftliches Ok des Mitarbeiters den Van dort stehen lassen zu können, welches er uns allerdings ebenfalls nicht aushändigen wollte oder konnte. Die Nacht, hoffentlich unsere Letzte, schiefen Mike und ich nicht zusammen im Zelt. Er war im Auto und ich oben, wir waren beide etwas heruntergekommen mit den Nerven.

Day 15: the end oft he journey

14Juli2014

7am standen wir auf, um uns unbemerkt aus unserem Heckenversteck zu schleichen und fuhren zurück zum Center, wo 8.45am eine Pelikanfütterung stattfinden sollte. Leider kamen jene nicht, und so gingen wir direkt im Anschluss wieder ins Infocenter, um unseren Tag zu planen. Die Dame des Ortes legte uns wärmstens noch ein paar andere Wanderwege im Nationalpark ans Herz und so fuhren wir die paar Kilometer zurück um noch zur Morgenszeit die Trackwege auf- und wieder abzusteigen. Die Stimmung zwischen Mike und mir war heute wieder ziemlich angespannt und ich war seine ewigen Kommentare leid! Im Anschluss gings zum Lunch in einen Pub, dann food shopping und zurück ins Auto. Ein paar Stopps legten wir an den Klippen vor dem Ort ein. Die unglaubliche Küste des Red Bluffs leuchtete rot zur Mittagszeit und die Wellen prallten an die Felswand und ich war froh diesen Ausblick, der gleichzeitig die Innenseite meines Reisebuches schmückte, nicht missen zu müssen.
Weiter führte uns unser Weg vorbei am „Pink Lake“ auf den ich mich schon ziemlich gefreut hatte. Wie der Name bereits verrät handelt es sich dabei um einen See dessen Wasser pink ist und die Bilder im Internet waren zu vielversprechend. Außerdem war das Wetter viel zu kalt zum Baden, dennoch konnte ich es kaum abwarten mir selbst ein Bild davon zu machen. Und dann sahen wir es schon vom Highway. Da war tatsächlich ein riesiger Pinker Punkt. Endlich waren wir nahe Port Gregory und fanden eine geeignete Stelle zum Aussteigen und tatsächlich das Wasser war pinker als pink. Fast richtig trüb, wie Malfarbe. Meine Kamera hatte wieder keine Ambitionen die Farbe so einzufangen wie sie wirklich war und das ärgerte mich. Entstehen tat die Farbe durch die besonderen Algen, die hier wuchsen. Leider lohnte sich der Stopp nicht für längere Zeit, da das Wetter zu schlecht war. Nach ein paar Fotos gings zurück ins Auto und weiter Richtung Süden, Richtung Pinnacles, die unser letztes großes Ziel waren. Gleichzeitig bedeute es wieder einen langen Weg und eine laaange laange Fahrt die wir definitiv nicht mehr heute machen würden.
Die Fahrt wurde lang und die Nacht schwärzer und Mikes und meine Unterhaltung ruhiger ehe ein Geräusch die Stille unterbrach. Es war ein Klappern, oder eher doch ein Rütteln? Auf jeden Fall kam es aus dem Motor und klang ziemlich ungesund. Der nächste Ort war noch ein dutzend Kilometer entfernt und Mike fuhr nur noch mit 60km/h auf dem Highway, was das Klappern unterbrach. Mike war ziemlich angespannt wegen der Sache und fing schonwieder an sich aufzuregen. Ich wollte dem entgegenwirken und ihn beschwichtigen und dann machte es auf einmal „ratsch“ und Mike rollte an die Seite ran. Der Motor reagierte nicht mehr, es war zu spät. Nachdem wir es ein paar Mal versuchten und den Motor an und aus machen wollten, funktionierte es immer noch nicht und wir sahen uns ratlos an. Mike schlug aufs Lenkrad. „Scheiße“ brüllte er und fing gleich einen Grund mich dumm anzumachen. Ich ging nicht darauf ein und fragte nach den Unterlagen der Autovermietung. Diese Leiteten uns nur an den Pannendienst weiter, die uns erstmal warten ließen, eh sie eine Lösung parat hatten. Von Glück konnten wir reden, dass wir überhaupt Handyempfang hatten, 4km vor Einfahrt des nächsten Örtchens. Schon hielt das nächste Auto hinter uns, da Mike den Warnblinker anhatte. 2 Männer stiegen aus und Mike wollte die Türen locken. Ich sagte ihnen, dass alles ok sei und wir nur auf den Pannendienst warten würden. Sie boten uns an mitzunehmen, wir lehnten ab, Mike äußerst unfreundlich. Wieder im Auto fing er an mich nachzuäffen und machte mich an, was ich überhaupt ausgestiegen sei. Ich sagte dass er doch dann den Warnblinker ausmachen soll. „Wir sind zu nah an der Straße.“ „Dann schieben wir es eben mehr an den Rand.“ Das war für ihn aus irgendeinem Grund keine Option und er machte sich über mich lustig. Ich wollte stattdessen etwas tun, griff zum Telefon und wollte den Pannendienst erneut anrufen, die uns immer noch nicht zurück gerufen hatten. „Was machst du da?“ blaffte er mich schon wieder an und meinte dass mein Englisch sowieso zu schlecht sei und er sie anrufen würde. Jene hatten uns anscheinend schon wieder vergessen und sagten, dass sie uns abholen könnten, in einer ganzen Weile… Und lediglich bis zum nächsten Ort (die ganzen 4km) fahren könnten. Also war warten angesagt. Ich saß in meinem Sitz und schaute hinaus in die Dunkelheit. Mike viel total an sich hineinzusteigern und dass er ja in den Unterlagen der Verleihfirma stand. Dann fing er an über mich herzuziehen, ob ich dass alles nicht so schlimm sehe und dass das alles ein riesen Fehler war und im platzte schon wieder fast eine Ader. Ich konnte das nicht mehr hören, ich war lediglich still, aber es war doch nicht meine Schuld. Ich konnte einfach keine Minute mehr neben diesem Menschen sitzen und stieg aus. Es war komplett dunkel um das Auto herum aber ich konnte das Rauschen des Meeres hören, auch dessen Briese stieg mir in die Nase und ich genoss für ein paar Sekunden die Stille, eh die Fahrertür knallte und Mike einen weiteren Grund hatte sich über mich aufzuregen. Ich solle wieder ins Auto kommen. Und noch bevor wir diese Diskussion beenden konnten kam auch schon der Abschleppdienst, der sich das Auto grob ansah und meinte, dass es sich dabei nicht um unser Verschulden handelte. Doch eines Stand fest, es handelte sich um ein großes Problem und dieses Auto würde uns nirgend wo mehr hinbringen. Auf dem Abschleppwagen aufgeladen ging es, mittlerweile ein paar Stunden später, direkt zum nächsten Campingplatz des Ortes, wo wir einfach abgeladen wurden. Er fuhr uns nicht nach Perth, gab uns keine andere Nummer und nichts. Wir sollten uns wieder an die Autovermietung wenden, die jetzt schon geschlossen hatte. Hieß im Klartext bis morgen warten. Der Besitzer des Platzes war zu nett und ließ uns die Nacht kostenlos auf dem Platz stehen und wir schlugen unser Zelt auf und hatten uns für heute nichts mehr zu sagen.

Day 14: the dolphins

14Juli2014

Wie wir es vereinbart hatten stand ich 6.30 am auf, obwohl die Delfinfütterung erst 7.45 stattfinden würde. Ein paar Locals gaben uns den Tipp eine Weile eher an der Bucht zu sein, bevor die ganzen Touristen dort waren, um ein bisschen Zeit mit den Delfinen alleine zu haben. Ich weckte den noch schlafenden Mike auf und huschte schnell ins Bad. Zur vereinbarten Zeit war das Auto abgeschlossen und er nicht da. Ich wartete noch eine Weile, und schrieb ihm dann, dass ich schon einmal zum Strand gehen würde. So gut wie für mich allein sah ich einen unglaublichen Sonnenaufgang über dem Meer während die ersten Delfine wieder zu sehen waren. Auf dem Steg tauchte dann genau einer unter mir durch ihn hindurch und ich konnte es kaum glauben. Eine halbe Stunde fast konnte ich die grazilen Geschöpfe bewundern, ohne dass jemand anderes am Strand war. Es war sehr harmonisch. Ich suchte nach Mike, der immer noch nicht da war und auch nicht am Auto aufzufinden war. Als sich die Traube langsam vor dem Center füllte traf ich ihn dort an und wir waren wieder unterschiedlicher Meinung. Er regte sich über mich auf. Ich sagte, dass ich wie vereinbart am Auto stand, sogar noch 10 Minuten wartete und er nicht da war und ich ihm eine Nachricht hinterließ. Wie auch immer. Die im Resort arbeitenden Leute, erklärten uns, warum es so wichtig sei, die Delfine nicht zu überfüttern und warum man nicht ins Wasser sollte. Dann begannen sie mit den Eimern ins Wasser zu gehen und ich war mehr als erstaunt in wie flaches Wasser die Delfine kamen. Keinen halben Meter tief und die beliebtesten Meeresbewohner kreisten um die Fischkübel herum und waren keine 20cm von den mit Füßen in Wasser stehenden Touristen entfernt. Ich beobachtete das Geschehen vom Steg aus und hätte nie gedacht einmal so etwas zu sehen. Nach einer Weile war das Spektakel dann beendet und die Leute schneller vom Strand als das der letzte Fisch im Schlund eines noch größeren wanderte. Ich schüttete verständnislos den Kopf und blieb noch eine Weile, da die Delfine immer noch am Strand waren. Es war kalt und windig und da wir die Hauptattraktion in dem kleinen Nationalpark gesehen hatten gab es keinen Grund für uns länger hier zu bleiben und so entschieden wir uns unsere Reise fortzusetzten. Einen kurzen Stopp legten wir am Helin Pool ein, wo sich Gesteine uralter Mikroorganismen im flachen Wasser befanden, die ebenfalls Salzliebend waren und hier vor Urzeiten entstanden sind.
Danach gings in den Kalbarri Nationalpark Richtung Kalbarri. Aänlich wie im Karijini NP gab es hier verschiedene Gorges und kleine Walks durch die Schluchten. Nicht ganz so spektakulär, aber dennoch schön hatten wir die kleinen Wanderwege bereits in einer Stunde abgeharkt und fuhren in das liebliche Örtchen Kalbarri ein, wo das Infocenter leider schon geschlossen hatte. Wir gingen einkaufen, freuten uns über die Zivilisation und fuhren den Ort ab. Richtig niedlich war es hier an der Küste mit der kleinen Meeresbucht. Danach gings in den Pub zum Dinner. An der Bar musterte ich die Kellnerin genau. „Dich kenn ich doch“ stieß ich dann auf Deutsch hervor. Und tatsächlich was für eine Überraschung. Damals war ich zusammen mit ihr in einem Zimmer in Cairns und nun arbeitete sie hier in dem kleinen Örtchen. Was für ein Zufall! Da es absolut nichts Vegetarisches auf der Karte gab, gabs für mich einen kleinen Salat während Mike sein 2. Steak heute verdrückte. Nun war wieder die Frage, wo wir die Nacht über parken sollten und anstatt einfach die $10 pP Camping platz zu bezahlen fuhr Mike den Ort wieder einmal 100x auf und ab und ich rechnete dies schon in Spritgeld um, sagte aber kein Wort. An einer für ihn geeigneten Stelle neben einem Wohngebiet hielten wir an und fuhren hinter ein paar Sträucher auf den Acker. Für die Nacht war es ok, allerdings war uns klar, dass wir morgen wieder früh aufstehen mussten, um keine Probleme zu bekommen. Schnell im Dunklen das Zelt aufgebaut und sich bettfertig gemacht. Ich hasste es in Sträuchern pinkeln gehen zu müssen, da ich trotzdem jedes Mal vor Schlangen oder anderes Angst hatte. Doch diese Nacht überlebte ich und war froh mich nicht mit Mike gestritten zu haben.

Day 13: that´s definitely it

14Juli2014

Da wir nicht alt zu viel Stress hatten und die Nacht uns beide mehr schaffte als der Tag blieben wir bis nach 8am liegen. Der Morgen war frisch, aber nicht so kalt wie die Nacht. Unten im Auto wurden Zähne geputzt und sich fertig gemacht, eh ich anfing das Zelt zusammenzubauen und dann ist es passiert. Ein Auto bog in unseren Acker ein, mit der Aufschrift Ranger. Ohoh. Der Mann schien schlecht gelaunt. „Ihr dürft hier nicht parken.“ Ich entschuldigte mich und sagte, dass es so spät geworden sei und wir einfach müde waren und die Campingplätze geschlossen. Mike war auf Konfrontation aus und blaffte ihn an. Ich konnte es nicht fassen, schließlich wollte ich kein sattes Bußgeld von $300 zahlen, welches er uns hätte legitim ausstellen können. Ich versuchte Mike zu Übertönen mit meiner nochmaligen Entschuldigung, doch die beiden rauen Charaktere trafen aufeinander. Ich befürchtete das Schlimmste. Im Endeffekt beließ er es bei einer Verwarnung, da wir nur auf der Durchreise waren und ich war erleichtert. Mit zusammengekniffenen Augen warf ich einen Blick zu Mike rüber, dessen Reaktion ich so etwas von mehr als unangebracht fande. Doch er hielt das selbe von mir und wollte von dieser Reaktion auf mein ganzes Lebensverhalten rückschließen. „Du musst dich auch mal durchsetzen“ und dieses und jenes. Am liebsten hätte ich ihm den Hals umgedreht für seine neue Lehrstunde, da ich es in dieser Situation weniger als angemessen fande, ein Argument zu starten. Wie auch immer, wir hatten Frühstück an der Tanke. Banana bred und für ihn Eggs and Steak on Toast.
Ich fühlte mich ziemlich krank heute. Ich glaube ich hatte einen leichten Sonnenstich von gestern am Meer, den ich gestern Abend schon spürte. Mir war übel und ich hatte ziemliche Kopfschmerzen, daher versuchte ich im Auto etwas zu schlafen. Während dem Fahren kreuzten wir Shell Beach, einen riesigen Strand nur bestehend aus Muscheln oder Muschelfraktmenten. Eine spannende Sache, da das Wasser hier doppelt so salzig war als üblich und sich daher nicht viele Arten hier ansammeln konnten. Die Muscheln, welche Salzliebend sind, sammelten sich somit hier in einer Überpopulation an und füllen nun einen ganzen Strand. Auf unserem Weg nach Shark Bay/Denham, einem kleinen Örtchen vor Mokey Mia hielten wir am Infocentre an, um unseren Aufenthalt zu planen. Mike machte sich wieder über mich lustig vor der Angestellten. Ich reagierte nicht. Im Auto regte er sich dann mehr als auf, warum ich so still sei. Wie ich ihm bereits erklärte, fühlte ich mich nicht besonders und es wurde durch das Autofahren noch schlimmer. Wir stoppten an der „little lagoon“ die aufgrund eines schmalen Meereszuflusses entstand und einen blauen See mit Salzwasser füllte, weil sich dort BBQ´s befanden. Dort hatten wir einen ziemlichen Streit. Er hackte auf mir rum, weil ich so still war. Ich verstand das einfach nicht, da ich ihm bereits 3x erklärte, dass ich mich nicht besonders fühlte, keine schlechte Laune hatte, sondern einfach nur etwas ruhig war. Während er sich wieder in Rage steigerte und sein Fleisch brutzelte legte ich mich an eine Düne vor der Bucht und schaute auf das Wasser vor mir. Ich musste telefonieren, um mich abzulenken. Eine kurze Zeit später saß ich im Auto, aß das erste für heute, eine Passionsfrucht und versuchte zu schlafen. Als Mike dann zurück im Auto war ging es weiter. „Hast du die letzte Passisonsfrucht gegessen?!“ „Ja“ sagte ich etwas fragend. „Das ist schon ganz schön selfisch.“ Beschimpfte er mich. Ich sah ihn an und konnte und wollte einfach nicht mehr diskutieren. Er war offensichtlich auf Streit aus. Die ersten 2 aß er komplett alleine und ich aß diese eine. Nein, ich sah nicht, wo das selfisch war. Ich sah aus dem Fenster und fühlte mich wieder nach heulen zumute. An unserem nächsten Stopp, dem Eagle Bluff, einem Aussichtspunkt auf dem flachen Meer wollte ich lieber im Auto bleiben und die Augen etwas schließen, nachdem ich eine Tablette genommen hatte. Das gab wieder super Vorlage, um an mir herumzukritisieren, warum es mir denn nicht gut ginge, wo er doch das ganze Gefahre machen würde und ich konnte es einfach nicht mehr hören. Wo war sein SCHEIß Problem, sollte er mich doch einfach hier mal sitzen lassen während er die 10 Minuten den kleinen Weg entlanglaufen würde, den ich auch vom Auto aus sah. Dann gings zum Monkey Mia Resort, wo er vor einem Infostand hielt. Er sah mich an. Da ich ja nur der Beifahrer war, war es ja wie IMMER meine Aufgabe auszusteigen, da ER ja der Fahrer war, was allein schon mehr als unmöglich und arrogant ist. Gerade als ich ansetzten wollte ihn zu fragen, ob er mal einen Blick haben könnte zuckte ich zusammen, da er mich halb anschrie wo mein verschissenes Problem sei und das er aussteigen würde. Er knallte die Tür und gestikulierte mir von außen aus ein flennendes Baby zu. Ich verstand diese Überreaktion einfach nicht. Mein einziges Verbrechen heute war, dass ich etwas ruhig war und versuchte während den Fahrten zu schlafen. Später im Resort, nachdem wir unsere Camp fee zahlten und einen Platz zugewiesen bekamen, wollten wir in den Shop laufen, um etwas zu trinken und zum Frühstücken zu kaufen. Dort angekommen eskalierte es dann völlig. Ich fragte ihn, was er essen möge, während er in einem anderen Gang stand und an seinem Handy herumtippte. Er sah auf und brüllte mich an, dass ich doch sehe, dass er gerade an seinem Handy sei und ihm nicht auf den Sack gehen soll und er absolut angepisst von mir ist. Ich erwiderte irgendwas aber musste kämpfen mir tränen zurück zu halten. Warum tat er das!? Wir waren offensichtlich in einem Shop um was zu kaufen, wenn ich ihn nicht frage ist es falsch jetzt frage ich ihn und er rastete ohne Grund aus. Ich kaufte also etwas für mich und ging zurück zum Auto wo er dann so tat als sei nichts vorgefallen. „Was machen wir die 1,5h bis zum Dinner?“ fragte er mich. „Ich weiß ja nicht was du machst“ sagte ich „aber ich treffe dich hier in 1,5h wieder“ , packte meine Sachen und wollte einfach nur gehen. Er fragte mich wohin und sah baff aus. Ich wusste es nicht, meinte ich. Ich lief zum Strand, ließ mich in den Sand sinken und begann zu weinen. Ich hielt es mit diesem Typen einfach nicht mehr aus. Noch nie in meinem Leben bin ich mit jemanden so aneinander geraten für keinen Grund. Im Wasser, es war kurz vor Sonnenuntergang, sah ich die ersten Delfine, die nahe an der Bucht schwammen und ab und an ihre Rückenflosse zeigten. Es mussten mindestens 3 gewesen sein, die nebeneinander hin und her glitten. Es war ein wunderschöner Anblick und beruhigte mich etwas. Ich genoss den Sonnenuntergang und noch mehr genoss ich es, von Mike getrennt zu sein. Ich wusste wirklich nicht wie es mit ihm weiter gehen sollte und überlegte mir ernsthaft das Ende unserer gemeinsamen Reise irgendwie vorzuverlegen und mich einfach nach einer anderen Möglichkeit umzusehen, nach Perth zu gelangen. Ich konnte und wollte das so einfach nicht mehr.
Ich gönnte mir eine lange Dusche eh ich ihn pünktlich wieder am Van traf, um mit ihm den Voucher fürs Dinner einzulösen. Ich fühlte mich langsam etwas besser, das heiße Wasser half wohl ganz gut dabei. Es machte nicht so den Eindruck als hätte er in der Zeit den Van verlassen. Während er so tat als sei alles gut (was er mir doch erst noch vor ein paar Tagen vorgeworfen hatte) reagierte ich kalt und antwortete nur das Nötigste. „Okay können wir das einfach sein lassen.“ Fragte er mich dann genervt. Ich begann zu reden, sachlich und den heutigen Tag auszuwerten, aus meiner Sicht. Er tat das Selbe und ich war einfach nur froh, dass es diesmal nicht zu eskalieren schien. Wir sagten was uns aneinander störte und versuchten es so zur Kenntnis zu nehmen und entschuldigten uns bei dem jeweils anderen. „Trotzdem“ meinte ich, wusste ich nicht, ob das weiterhin funktionieren würde. Er sah mich betrübt an und meinte, dass er das so nicht wolle und mich eigentlich ziemlich gern habe. Also ließ ich mich erweichen und für heute war der Streit erst einmal beendet.
Zu Bett ging dann jeder für sich und ich genoss die Stunde ohne ihn im Zelt. Zu kalt war es nicht, da die Dusche mich aufwärmte und obwohl es erst 19 Uhr war, war ich froh einen frühen Schlaf zu finden, da es sowieso morgen früh aus dem Bett gehen würde.

Day 12: It´s snorkel time

14Juli2014

Den Morgen schliefen wir mal etwas aus, bis ca. 8am, eh es uns wieder juckte tätig zu werden. Bei Licht sah unsere Parknische gar nicht mehr so gruselig aus und auch die anderen Backpackern begannen langsam ihre Zahnpasta in den Busch zu spucken. Dann gings direkt zurück in Centre von Coral BAy von wo aus wir die Sicht auf das Meer beim Frühstück, aus unserem Camper heraus genossen. Und danach gings endlich zum Strand. Wieder war das Wasser unglaublich blau und der Sand weißer als jede Zahnreklametafel vom Dentist. Die Sandbank ging ein paar Meter ins Meer hinein, dann sah man direkt, wie das Riff begann. An einem kleinen Shop am Strand liehen wir uns erneut Schnorchelausrüstung aus, und freuten uns bereits auf den wellenfreien Wassergang. Geplant war sich ein Glasbodenkanu auszuleihen, doch aufgrund des Windes und der ebenfalls starken Strömung war dies leider nicht möglich, dennoch war es unglaublich, dass das Riff direkt ein paar Meter nach dem Strand begann. Kaum ins kalte Wasser gekommen, sahen wir schon die ersten Riffe und gigantischen Fische, welche teils 1,5m groß waren. Man konnte weit hinaus schwimmen und ab einem Punkt, wo sich der Boden und kein Riff auftat, war ich geschockt wie tief es doch eigentlich war. Obwohl wir uns in einer Bucht befanden hatte ich dennoch ein beunruhigendes Gefühl. Dass Riff war zum größten Teil ebenfalls abgestorben, was bedauerlich war, doch die Fische tummelten sich dennoch in allen Farben, Formen und Größen um die Meeresfauna. Wir waren eine ganze Weile im Wasser bis wir aufgrund der Strömung am letzten Ende des Strandes aus dem Wasser mussten. Ich fröstelte unwahrscheinlich und die Sonne nahm sich Zeit mich wieder aufzuheizen. Während Mike sich schonwieder ein Lunch gönnte genoss ich es, eine Weile im weichen Sand zu liegen und etwas Wärme zu tanken. Dann gings wieder ins Wasser, etwas weiter, etwas länger. Ich entdeckte einen Stachelrochen in wunderschönen Farben. Er selbst war gelb und hatte leuchtend blaue Punkte und war gerade dabei sich im Sand zu vergraben. Ich beobachtete das Spektakel aus sicherer Entfernung und war begeistert. Die Lady vom Verleihstand sagte mir später dessen Namen, und erklärte, dass er nicht giftig sei. Auch sah ich einen Aal oder ähnliches sich durchs Wasser schlingen. Es war beeindruckend. Nachdem die Dämmerung schon langsam einsetzte und das Wasser zu kalt wurde, gaben wir die Ausrüstung zurück und genossen noch ein Wenig die Sonne, sowie die tägliche Fischfütterung am Strand. Danach wurden wir wieder unanständig und duschten und machten ein BBQ auf dem gegenüberliegenden Campingplatz.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit brachen wir auf, auf unseren Weg nach Monkey Mia, wo wir Delfine sehen konnten und die Vorfreude war schon groß! Nach einer Weile fahrt wurde es wieder zu spät und zu ansträngend und so entschlossen wir uns im Ort Carnavon eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Alle Campingplätze waren bereits geschlossen und der Ort an sich bestand lediglich aus einer Hauptstraße? Wo sollten wir hin? Schließlich mussten wir morgen auch hier die Gelegenheit zum Tanken nutzen. Nach einer Weile hin und her, auf und ab, parkten wir den Van hinter einer Baumallee auf einem Feldweg. Getarnt von dem Bäumen standen wir zwischen Straße und einer Plantage und hofften dass wir für diese Nacht ok seien. Wieder war es unglaublich kalt und allein das Aufbauen des Zeltes schmerzte in den fast tauben Fingerspitzen und endlich oben angekommen fiel das Schlafen schwer, da mich die Vibration meines fröstelnden Körpers keine Ruhe finden ließ. Abgesehen davon war wieder einer der Nächte indem mich Mike kickte, wenn ich angeblich zu laut schnarchte. Ich fühlte mich, als hätte ich kaum eine Stunde geschlafen und freute mich so langsam auf das Ende unserer Reise.

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